Seit den theoretischen Arbeiten von Hamilton (1964) und Trivers und Hare (1974) gilt das Geschlechterverhältnis bei sozialen Hymenopteren (Bienen, Wespen, Ameisen) als Prüfstein für die Theorie der Verwandtenselektion und darauf aufbauende Modelle. Nach Boomsma und Grafen (1990, 1991) läßt sich die Spezialisierung mancher Insektenstaaten auf die ausschließliche Produktion von Jungköniginnen bzw. die ausschließliche Produktion von Männchen ( split sex ratios ) durch unterschiedliche Verwandtschaftsverhältnisse innerhalb der Kolonien erklären. Andere Autoren bringen split sex ratios mit Unterschieden in der Verfügbarkeit von Ressourcen, der Koloniegröße, dem Paarungssystem (lokale Paarungskonkurrenz) und anderen Faktoren in Verbindung. Wir versuchen, durch eine Kombination von Mikrosatelliten-Untersuchungen zur genetischen Struktur der Kolonien, Freiland-, Laborbeobachtungen und Manipulation der Koloniezusammensetzung und Nahrungsverfügbarkeit, die Ursache von split sex ratios bei der Ameisengattung Leptothorax zu bestimmen, sowie herauszufinden, wie Arbeiterinnen ihr bevorzugtes Geschlechterverhältnis in der Kolonie gegen die Interessen der Königin durchsetzen.