Der klassische Bystander-Effekt bedeutet reduzierte Hilfeleistung für eine Person in Not wenn mehrere anstatt wenige Bystander anwesend sind (Latané & Nida, 1981). Die Ergebnisse des vorangegangenen Forschungsprogramms zu zivilcouragiertem Verhalten zeigen, dass drei Forschungsfragen im Kontext der Bystander Forschung bisher ungeklärt sind: (1) Welche Prozesse liegen dem klassischen Bystander-Effekt in ungefährlichen (low cost) Hilfesituationen zugrunde?(2) Welche psychologischen Prozesse liegen Bystander-Verhalten in gefährlichen (high cost) Hilfesituationen zugrunde? Gerade in gefährlichen Situationen haben neuere Studien gezeigt, dass der Bystander-Effekt in reduzierter oder gar umgekehrter Form auftritt (positiver Bystander Effekt). Und schließlich(3) Tritt ein Bystander-Effekt auch dann auf, wenn kein Opfer in der kritischen Situationen anwesend ist, dem mögliche Selbstverantwortlichkeit für die Notsituation unterstellt werden kann?Zur Beantwortung dieser Forschungsfragen sind sieben experimentelle Verhaltensstudien geplant.