Direkt zum Inhalt

Kilp, Sophie

Neuronale Korrelate der Überzeugungsattribution bei Kindern zwischen acht und zehn Jahren

Kilp, Sophie (2014) Neuronale Korrelate der Überzeugungsattribution bei Kindern zwischen acht und zehn Jahren. Dissertation, Universität Regensburg.

Veröffentlichungsdatum dieses Volltextes: 02 Sep 2014 14:15
Hochschulschrift der Universität Regensburg
DOI zum Zitieren dieses Dokuments: 10.5283/epub.30508


Zusammenfassung (Deutsch)

Für die verschiedenen Komponenten der Theory of Mind, und damit auch für die Belief-Attribution, sind aufgrund der Ergebnisse zahlreicher bildgebender Studien bei Erwachsenen drei Gehirnareale von zentraler Bedeutung: der mediale präfrontale Kortex (mPFC) zusammen mit dem anterioren cingulären Kortex (ACC), der posteriore Sulcus temporalis superior (pSTS) am Übergang zur temporo-parietalen ...

Für die verschiedenen Komponenten der Theory of Mind, und damit auch für die Belief-Attribution, sind aufgrund der Ergebnisse zahlreicher bildgebender Studien bei Erwachsenen drei Gehirnareale von zentraler Bedeutung: der mediale präfrontale Kortex (mPFC) zusammen mit dem anterioren cingulären Kortex (ACC), der posteriore Sulcus temporalis superior (pSTS) am Übergang zur temporo-parietalen Junction (TPJ) sowie die Temporalpole. Die wenigen bisher durchgeführten bildgebenden Studien an Kindern lassen jedoch entwicklungsbedingte Veränderungen in der Funktion dieser Areale vermuten. Allerdings wurden in diesen Studien meist Kinder und Jugendliche in einer relativ weiten Altersspanne und in unterschiedlichen Stadien der Pubertät untersucht. Doch Studien zur strukturellen Gehirnentwicklung bei Kindern und Jugendlichen wiesen darauf hin, dass sich in diesen Gehirnregionen auch innerhalb der Kindheit und Adoleszenz im Rahmen der Entwicklung unterschiedliche Aktivierungen ergeben.
Deshalb wurden in der vorliegenden fMRT-Studie zur Belief-Attribution bei Kindern nur elf gesunde Probanden in die Versuchsgruppe eingeschlossen, die sich in der engen Altersspanne von acht bis zehn Jahren und zudem nach den Kriterien der Pubertal Development Scale auf einer vor- bis maximal frühpubertären Entwicklungsstufe befanden.
Den Probanden wurden Bildergeschichten präsentiert, in denen sie das Verhalten eines Protagonisten vorhersagen sollten, basierend auf dessen wahrer (True Belief) oder falscher Überzeugung (False Belief) darüber, wo sich ein Objekt befindet. In den Kontrollbedingungen (True und False Realität) sollten die Kinder beurteilen, wo sich der Gegenstand tatsächlich befindet.
Beim Kontrast FB > FR ergaben sich stärkere Akivierungen bevorzugt in frontalen und postzentralen Arealen sowie im Precuneus und in temporalen Arealen des Kortex.
Der Vergleich der Bedingungen TB > TR erbrachte keine Mehraktivierungen.
Beim Kontrast FB > TB zeigten sich im rechten mPFC sowie im bilateralen inferioren Parietallappen (IPL) als Areale des bekannten ToM-Netzwerkes verstärkte Aktivierungen, außerdem in frontalen, temporalen und postzentralen kortikalen Arealen.
Insgesamt greifen Kinder auf ein deutlich größeres Netzwerk an Gehirnarealen zurück, um bei der Bearbeitung von Aufgaben zur Belief-Attribution die gleiche Leistung zu erbringen wie Erwachsene. Bezüglich des bekannten ToM-Netzwerkes lassen diese Ergebnisse vermuten, dass Kinder betont frontale Areale bei der Bearbeitung von Aufgaben zur Belief-Attribution aktivieren, jedoch im vor- bzw. frühpubertären Entwicklungsstadium auch parietale Areale nutzen. Damit erbringt die vorliegende Studie wichtige Aufschlüsse über entwicklungsbedingte Veränderungen der neuronalen Korrelate der Theory of Mind.

Übersetzung der Zusammenfassung (Englisch)

Functional imaging studies revealed especially three brain regions that are involved in Belief Reasoning, a central component of Theory of Mind understanding. These brain regions are the medial prefrontal cortex (mPFC) including the anterior cingulate cortex (ACC), the posterior superior temporal sulcus (pSTS) up to the temporo-parietal junction (TPJ) and the temporal poles. However, the ability ...

Functional imaging studies revealed especially three brain regions that are involved in Belief Reasoning, a central component of Theory of Mind understanding. These brain regions are the medial prefrontal cortex (mPFC) including the anterior cingulate cortex (ACC), the posterior superior temporal sulcus (pSTS) up to the temporo-parietal junction (TPJ) and the temporal poles.
However, the ability to understand Beliefs undergoes considerable changes during development. But until now, only few studies investigated the neural correlates of Belief Reasoning in children. These studies gathered evidence that the brain areas associated with Belief Reasoning undergo developmental changes even beyond the age of about five years, when children reach behavioural mastery of False Belief tasks. These results concerning the functional reorganisation of the neural architecture during development are supported by recent structural MRI studies which have demonstrated that the brain undergoes considerable development throughout childhood and adolescence, continuing into early adulthood.
In the present fMRI study eleven healthy children between eight and ten years were included.
We presented cartoon stories depicting a protagonist acting on his or her False Belief. In the False Belief condition, unbeknownst to the protagonist, an object (e. g. a ball) is transferred from location A (e. g. a bag) to location B (e. g. a box). In the True Belief condition the protagonist witnesses the transfer. The childrens‘ task was to indicate either where the object is actually located or where the protagonist would search for the object.
False Belief in contrast to False Reality resulted in brain activity especially in frontal and postcentral brain regions as well as in the precuneus and in temporal cortical regions.
The comparison of the conditions True Belief versus True Reality showed no results.
Compared to True Belief, False Belief showed brain activity in the right mPFC and in the bilateral inferior parietal lobe (IPL). It is suggested that these areas are part of the Theory of Mind network.
The results of the present study indicate that the ability to reason about False Beliefs recruits a broader network of cortical areas, especially frontal areas, in children than in adults and supported studies that show the dynamic of the cortical architecture during development.


Beteiligte Einrichtungen


Details

DokumentenartHochschulschrift der Universität Regensburg (Dissertation)
Datum2 September 2014
Begutachter (Erstgutachter)Prof. Dr. Göran Hajak
Tag der Prüfung3 Juni 2014
InstitutionenMedizin > Lehrstuhl für Psychiatrie und Psychotherapie
Stichwörter / KeywordsfMRI, Belief Reasoning, Theory of Mind, children, medial prefrontal cortex, temporo-parietal junction, unobserved transfer paradigm
Dewey-Dezimal-Klassifikation600 Technik, Medizin, angewandte Wissenschaften > 610 Medizin
StatusVeröffentlicht
BegutachtetJa, diese Version wurde begutachtet
An der Universität Regensburg entstandenJa
URN der UB Regensburgurn:nbn:de:bvb:355-epub-305089
Dokumenten-ID30508

Bibliographische Daten exportieren

Nur für Besitzer und Autoren: Kontrollseite des Eintrags

nach oben