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Geisreiter, Florian

Transkutane nicht-invasive Vagusnervstimulation zur Behandlung von chronischem Tinnitus

Geisreiter, Florian (2015) Transkutane nicht-invasive Vagusnervstimulation zur Behandlung von chronischem Tinnitus. Dissertation, Universität Regensburg.

Veröffentlichungsdatum dieses Volltextes: 04 Aug 2015 15:24
Hochschulschrift der Universität Regensburg
DOI zum Zitieren dieses Dokuments: 10.5283/epub.32270


Zusammenfassung (Deutsch)

Chronischer Tinnitus ist eine Erkrankung des Hörsystems, die teilweise mit einem hohen Leidensdruck einhergeht und unter der bis zu 10 – 15 % der Bevölkerung im Laufe ihres Lebens leiden. Es bestehen keine etablierten Therapieformen des chronischen Tinnitus. Teilweise erfolgreiche Behandlungsstrategien orientieren sich am Konzept der Habituation. Im Fokus der Forschung stehen zunehmend ...

Chronischer Tinnitus ist eine Erkrankung des Hörsystems, die teilweise mit einem hohen Leidensdruck einhergeht und unter der bis zu 10 – 15 % der Bevölkerung im Laufe ihres Lebens leiden. Es bestehen keine etablierten Therapieformen des chronischen Tinnitus. Teilweise erfolgreiche Behandlungsstrategien orientieren sich am Konzept der Habituation. Im Fokus der Forschung stehen zunehmend pathologische Vorgänge im zentralen Nervensystem.
Vagusnervstimulation wird zur Behandlung therapierefraktärer Epilepsiesyndrome und depressiver Erkrankungen erfolgreich eingesetzt. Aktuelle Forschungsergebnisse am Tiermodell zeigen eine mögliche Wirksamkeit bei chronischem Tinnitus auf. Transkutane Vagusnervstimulation (tVNS) ist eine neu entwickelte nicht-invasive Methode, mit der sich äquivalente zentrale Aktivitätsänderungen wie bei der invasiven Methode hervorrufen lassen.
Diesem Ansatz folgend wurden in einer einarmigen, offenen Pilotstudie 24 Tinnituspatienten mit tVNS für 6 Monate behandelt. Auf Grund eines in der Nachbetrachtung nicht auf die Behandlungsmethode zurückzuführenden schweren unerwünschten Ereignisses musste die Studie jedoch vorzeitig unterbrochen werden. Zur klinischen Evaluation wurden die gebräuchlichen Selbstbeurteilungsinstrumente Tinnitusfragebogen nach Goebel und Hiller (TF), Tinnitus Handicap Inventory, Beck Depressionsinventar (BDI), WHO Quality of Life Questionnaire und verschiedene numerische Ratingskalen verwendet. Primärer Endpunkt war die Veränderung im TF zwischen Beginn und Ende der Behandlung.
Die Studie zeigte eine signifikante Verbesserung im TF (p=0.036) mit einer Responderrate von 37,5 %. Die Datenanalyse zeigte weiterhin eine signifikante Verbesserung im BDI. Zusätzliche signifikante Veränderungen waren nicht zu beobachten. Trotz der hohen Dropout-Rate (10 von 24 Patienten) kam es zu keinen schwerwiegenden Nebenwirkungen, insbesondere keine auf tVNS rückführbaren kardialen Ereignisse. Die Auswertung der Stimulationsgeräte zeigte eine hohe Variabilität der Stimulation zwischen den Studienteilnehmern.
In der Studie zeigten sich Hinweise auf eine mögliche Wirksamkeit der verwendeten Methode bei chronischem Tinnitus. Zur weiteren Beurteilung sind jedoch deutlich größere und insbesondere placebo-kontrollierte Studien notwendig, auch zur weiteren Gewinnung von Sicherheitsdaten. Zudem ist auf Grund der Erkenntnisse anderer Arbeitsgruppen die Kombination von VNS mit anderen Verfahren zur Tinnitustherapie zu erwägen.

Übersetzung der Zusammenfassung (Englisch)

Chronic tinnitus is a disorder of the auditory system that comes along with a high level of distress. About 10 – 15 % of the population will suffer from Tinnitus during their lives. Currently there is no established causal treatment. All used options of treatment showing partial success are based on the concept of habituation. More and more the focus of research turns to pathological changes in ...

Chronic tinnitus is a disorder of the auditory system that comes along with a high level of distress. About 10 – 15 % of the population will suffer from Tinnitus during their lives. Currently there is no established causal treatment. All used options of treatment showing partial success are based on the concept of habituation. More and more the focus of research turns to pathological changes in the central nervous system.
Vagus nerve stimulation is successfully used for treating drug-resistant epilepsy and major depression. Current research shows a possible positive effect on tinnitus. Transcutaneous vagus nerve stimulation (tVNS) is a newly developed non-invasive method that shows central changes of activity similar to the changes seen in invasive vagus nerve stimulation.
Following this approach, 24 patients suffering from tinnitus were treated with tVNS for 6 months in an open, single-armed pilot study. The clinical study was interrupted due to a serious adverse event, which in the aftermath seems not to be caused by the stimulation. For clinical evaluation the commonly used questionnaires “Tinnitus Questionnaire” by Goebel and Hiller (TF), Tinnitus Handicap Inventory, Beck Depression Inventory, WHO Quality of Life Questionnaire and several numeric rating scales were taken. Primary endpoint was the change in TF before and after treatment.
The clinical study shows a significant amelioration in TF (p=0.036) with 37.5 % responders. Furthermore, analysis of data shows a significant improvement in BDI. Other significant changes were not observed. In spite of a high dropout rate (10 out of 24 patients) there were no severe side effects, especially cardiac events tied to tVNS. Data of the stimulation devices show a high variability of stimulation between patients.
There are hints to a possible therapeutic effect of tVNS on chronic tinnitus. For further assessment, there is a need for bigger and especially placebo-controlled studies, also in view of the need for further security data. Based on the results of other research groups a combination of tVNS with other methods of tinnitus therapy seems reasonable.


Beteiligte Einrichtungen


Details

DokumentenartHochschulschrift der Universität Regensburg (Dissertation)
Datum4 August 2015
Begutachter (Erstgutachter)PD Dr. Berthold Langguth
Tag der Prüfung28 Juli 2015
InstitutionenMedizin > Lehrstuhl für Psychiatrie und Psychotherapie
Stichwörter / KeywordsVagusnervstimulation, Tinnitus, Neurostimulation
Dewey-Dezimal-Klassifikation600 Technik, Medizin, angewandte Wissenschaften > 610 Medizin
StatusVeröffentlicht
BegutachtetJa, diese Version wurde begutachtet
An der Universität Regensburg entstandenJa
URN der UB Regensburgurn:nbn:de:bvb:355-epub-322706
Dokumenten-ID32270

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