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Bartl, Johannes

Der Vortesteffekt - wenn Tests bereits vor dem Lernen unser Gedächtnis fördern

Bartl, Johannes (2026) Der Vortesteffekt - wenn Tests bereits vor dem Lernen unser Gedächtnis fördern. Dissertation, Universität Regensburg.

Veröffentlichungsdatum dieses Volltextes: 11 Mrz 2026 11:06
Hochschulschrift der Universität Regensburg
DOI zum Zitieren dieses Dokuments: 10.5283/epub.78894


Zusammenfassung (Deutsch)

Das Bearbeiten eines Tests (Rauch - ?) bereits vor der Präsentation der Lerninformation (Rauch – Nebel) kann die Erinnerungsleistung für dieses Material im Vergleich zu Lernmaterial, das unmittelbar gelernt wird, verbessern. Dieser sogenannte Vortest-Effekt gilt als robustes Phänomen, das sich über unterschiedliche Arten von Lernmaterial, Testformate oder Stichproben hinweg finden lässt. Über die ...

Das Bearbeiten eines Tests (Rauch - ?) bereits vor der Präsentation der Lerninformation (Rauch – Nebel) kann die Erinnerungsleistung für dieses Material im Vergleich zu Lernmaterial, das unmittelbar gelernt wird, verbessern. Dieser sogenannte Vortest-Effekt gilt als robustes Phänomen, das sich über unterschiedliche Arten von Lernmaterial, Testformate oder Stichproben hinweg finden lässt. Über die zugrundeliegenden kognitiven Mechanismen dieses Gedächtnisphänomens ist bisher jedoch nur wenig bekannt. In neun Experimenten wurden daher konkrete theoretische Annahmen der beiden prominentesten Erklärungsansätze - der Elaborations-Hypothese und der Aufmerksamkeits-Hypothese - überprüft. Zunächst wurde der Einfluss wiederholter Vortests auf den Vortest-Effekt untersucht (Experimente 1-4), um Erkenntnisse darüber zu gewinnen, ob es dabei zu einem Cue-Overload kommt, der die Erinnerungsleistung beeinträchtigt oder, ob mehrfache Abrufübungen zu einem zusätzlichen Vorteil führen, wie dies die beiden genannten Hypothesen vermuten würden. Mit den Experimenten 5 bis 7 sollte mit Hilfe semantischer Mediatoren die Annahme der Elaborations-Hypothese getestet werde, dass es während eines Vortests zu der Aktivierung eines semantischen Netzwerks und der Integration des Lernmaterials in dieses kommt. Die Vorhersage der Aufmerksamkeits-Hypothese, dass es durch Vortests zu einer gesteigerten Neugier und Motivation und damit zu einer aufmerksameren Enkodierung der Zielinformation kommt, wurden durch die Untersuchung des Effektes unter geteilter Aufmerksamkeit näher betrachtet (Experimente 8 und 9). Die Ergebnisse der Experimente 1 bis 4 zeigten dabei für unterschiedliches Lernmaterial eine Vergrößerung des Vortest-Effekts nach wiederholten Vortests. In den Experimenten 5 bis 7 war auch dann ein Vortest-Effekt nachzuweisen, wenn semantische Mediatoren als Hinweisreize für den Abruf der Zielinformation verwendet wurden. Die Experimente 8 und 9 offenbarten einen vergrößerten Vortest-Effekt für geteilte Aufmerksamkeit während des Vortests und einen ausbleibenden Vortest-Effekt für geteilte Aufmerksamkeit während des korrektiven Feedbacks. Diese Befunde legen nahe, dass sowohl Elaborationsprozesse als auch Aufmerksamkeitsressourcen eine wichtige Rolle für die Entstehung des Vortest-Effekts spielen. Die Auswirkungen auf weitere theoretische Erklärungsansätze dieses Effekts sowie die praktische Anwendung des Vortest-Paradigmas werden diskutiert.

Übersetzung der Zusammenfassung (Englisch)

Taking a test (smoke – ?) prior to the presentation of the study information (smoke – fog) can improve memory performance for this material compared to study material that is studied directly. This so-called pretesting effect is considered a robust phenomenon that can be found across different types of learning material, test formats, or samples. However, little is currently known about the ...

Taking a test (smoke – ?) prior to the presentation of the study information (smoke – fog) can improve memory performance for this material compared to study material that is studied directly. This so-called pretesting effect is considered a robust phenomenon that can be found across different types of learning material, test formats, or samples. However, little is currently known about the underlying cognitive mechanisms of this memory phenomenon.
In nine experiments, specific theoretical assumptions of the two most prominent explanatory approaches—the elaboration hypothesis and the attention hypothesis—were therefore examined. First, the influence of repeated pretests on the pretesting effect was investigated (Experiments 1–4) in order to gain insights into whether cue overload occurs and impairs memory performance, or whether multiple retrieval attempts lead to an additional advantage, as the two hypotheses mentioned above would suggest.
Experiments 5 to 7 used semantic mediators to test the assumption of the elaboration hypothesis that, during a pretest, a semantic network is activated and the learning material becomes integrated into it. The prediction of the attention hypothesis—that pretests increase curiosity and motivation and thereby lead to a more attentive encoding of the target information—was examined more closely by investigating the effect under divided attention (Experiments 8 and 9).
The results of Experiments 1 to 4 showed an increase in the pretesting effect following repeated pretests for different types of learning material. In Experiments 5 to 7, a pretesting effect could also be demonstrated when semantic mediators were used as cues for retrieving the target information. Experiments 8 and 9 revealed an increased pretesting effect under divided attention during the pretest and an absent pretesting effect under divided attention during corrective feedback.
These findings suggest that both elaboration processes and attentional resources play an important role in the emergence of the pretesting effect. The implications for further theoretical explanations of this effect, as well as the practical application of the pretesting paradigm, are discussed.


Beteiligte Einrichtungen


Details

DokumentenartHochschulschrift der Universität Regensburg (Dissertation)
Datum11 März 2026
Begutachter (Erstgutachter)Prof. Dr. Karl-Heinz T. Bäuml
Tag der Prüfung25 Februar 2026
InstitutionenHumanwissenschaften > Institut für Psychologie > Lehrstuhl für Psychologie IV (Entwicklungs- und Kognitionspsychologie) - Prof. Dr. Karl-Heinz Bäuml
Stichwörter / KeywordsMemory, Pretesting, elaboration, attention
Dewey-Dezimal-Klassifikation100 Philosophie und Psychologie > 150 Psychologie
StatusVeröffentlicht
BegutachtetJa, diese Version wurde begutachtet
An der Universität Regensburg entstandenJa
URN der UB Regensburgurn:nbn:de:bvb:355-epub-788949
Dokumenten-ID78894

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