Direkt zum Inhalt

Błaszczyk, Izabela Maria

Wenn man die polnische Sprache erbt… Beschreibung und empirische Analyse zum Irrealis-Marker by im Polnischen und seiner Verwendung bei Herkunftssprechern mit Deutsch als dominanter Sprache

Błaszczyk, Izabela Maria (2018) Wenn man die polnische Sprache erbt… Beschreibung und empirische Analyse zum Irrealis-Marker by im Polnischen und seiner Verwendung bei Herkunftssprechern mit Deutsch als dominanter Sprache. Dissertation, Universität Regensburg.

Veröffentlichungsdatum dieses Volltextes: 30 Jul 2018 12:15
Hochschulschrift der Universität Regensburg
DOI zum Zitieren dieses Dokuments: 10.5283/epub.37566


Zusammenfassung (Deutsch)

Ziel: Diese Arbeit setzt sich mit dem Gebrauch von by durch Herkunftssprecher des Polnischen, deren dominante Sprache das Deutsche ist, auseinander. Anders als in traditionellen Grammatiken werden die entsprechenden Formen dabei nicht als Ausdruck eines modus conditionalis angesehen; vielmehr wird by als klitischer Irrealis-Marker gewertet. Das Ziel der vorliegenden Studie ist es, die in diesem ...

Ziel: Diese Arbeit setzt sich mit dem Gebrauch von by durch Herkunftssprecher des Polnischen, deren dominante Sprache das Deutsche ist, auseinander. Anders als in traditionellen Grammatiken werden die entsprechenden Formen dabei nicht als Ausdruck eines modus conditionalis angesehen; vielmehr wird by als klitischer Irrealis-Marker gewertet. Das Ziel der vorliegenden Studie ist es, die in diesem Bereich bei erwachsenen Herkunftssprechern auftretenden sprachlichen Phänomene umfassend zu beschreiben und adäquat zu analysieren.

Methodologischer Ansatz: Die Basis für die Untersuchung stellt die Analyse von bilingualen Korpora (u.a. des Online-Korpus “Hamburg Corpus of Polish in Germany”) dar. Die Auswertung der Korpusdaten wies auf einzelne Auffälligkeiten hin, die bei erwachsenen Herkunftssprechern des Polnischen im Bereich des Gebrauchs des klitischen Irrealis-Markers by auftreten. Hierzu gehören u.a. das Doppeln sowie Auslassen des Irrealis-Markers, eine Präferenz für Indikativformen oder Probleme mit der Positionierung von by. Im zweiten Schritt wurden ein Online-Fragebogen erstellt, der aus zwei Teilen bestand, und zwar aus einem Test zu Grammatikalitätsurteilen sowie aus einer offenen Frage. Die Ergebnissen wurden nicht nur qualitativ, sondern auch statistisch mit Hilfe des Mann-Whitney-U-Tests ausgewertet.

Ergebnisse: Die Analyse ergab signifikante Unterschiede zwischen den erwachsenen Herkunftssprechern und der monolingualen Kontrollgruppe sowie frappante Parallelen zum frühkindlichen Spracherwerb. So bevorzugen erwachsene Herkunftssprecher die fixe bzw. konstante Positionierung des Klitikons im Satz, sei es vor dem Verb oder in der Wackernagel-Position. Überdies tendieren sie zur Übermarkierung. Im Widerspruch zur Enklisis-Hypothese bei Herkunftssprechern zeigt sich bei erwachsenen Herkunftssprechern des Polnischen eine Präferenz zur Proklise des Verbalklitikons by vor dem l-Partizip. Der Gebrauch des klitischen Irrealis-Markers by bei erwachsenen Herkunftssprechern des Polnischen mit Deutsch als dominanter Sprache ist insgesamt durch Simplifizierung und Innovationen geprägt.

Übersetzung der Zusammenfassung (Englisch)

Purpose: This dissertation focuses on the usage of the irrealis marker by by heritage speakers of Polish with German as their dominant language. While in traditional grammars the respective forms are described as expressions of the conditional mood, in this study by is considered to be a clitic irrealis marker. The present study aims to discover and to analyze the linguistic phenomena that appear ...

Purpose: This dissertation focuses on the usage of the irrealis marker by by heritage speakers of Polish with German as their dominant language. While in traditional grammars the respective forms are described as expressions of the conditional mood, in this study by is considered to be a clitic irrealis marker. The present study aims to discover and to analyze the linguistic phenomena that appear in the language of adult heritage speakers in connection with the irrealis marker by.

Methodological approach: The basis for my research was the analysis of bilingual corpora (e.g. the “Hamburg Corpus of Polish in Germany”). The data gained from the corpora demonstrated that the usage of the irrealis marker by adult heritage speakers deviates from the baseline. For example, adult heritage speakers tended to double or omit the irrealis marker, to prefer indicative forms or to show difficulties concerning the positioning of by. In a second step, an online test was created, which consisted of two parts: (1) a grammaticality judgement task, (2) an open question. The analysis combined qualitative and quantitative methods (e.g. the Mann-Whitney-U test).

Findings: The quantitative analysis of the data revealed significant differences between the usage of the irrealis marker by adult heritage speakers of Polish and the monolingual control group, as well as striking parallels with phenomena of language acquisition in early childhood. Adult heritage speakers tend to give preference to a constant positioning of the clitic in the sentence, be it before the verb resp. predicate or in Wackernagel position. Contrary to the enclisis-hypothesis, adult heritage speakers of Polish prefer to position the verbal clitic by before e.g. the l-participle. On the whole, the usage of the clitic irrealis marker by by adult heritage speakers of Polish with German as their dominant language is characterized by simplification and innovation.


Beteiligte Einrichtungen


Details

DokumentenartHochschulschrift der Universität Regensburg (Dissertation)
Datum30 Juli 2018
Begutachter (Erstgutachter)Prof. Dr. Björn Hansen
Tag der Prüfung18 Juli 2018
InstitutionenSprach- und Literatur- und Kulturwissenschaften > Institut für Slavistik > Lehrstuhl für slawistische slavische Philologie | Sprach- und Kulturwissenschaft (Prof. Dr. Björn Hansen)
Stichwörter / KeywordsPolnisch; Polish; heritage speaker; heritage language; Herkunftssprache; clitic; Klitikon; Irrealis; conditional; Konditional; mood; Modus; Modalität; modality; attrition; incomplete acquisition; unvollständiger Spracherwerb; Enklisis; tryb; jezyk odziedziczony;
Dewey-Dezimal-Klassifikation400 Sprache > 400 Sprachwissenschaft, Linguistik
400 Sprache > 490 Andere Sprachen
StatusVeröffentlicht
BegutachtetJa, diese Version wurde begutachtet
An der Universität Regensburg entstandenJa
URN der UB Regensburgurn:nbn:de:bvb:355-epub-375660
Dokumenten-ID37566

Bibliographische Daten exportieren

Nur für Besitzer und Autoren: Kontrollseite des Eintrags

nach oben