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Der Einfluss gebräuchlicher Antikoagulantien auf den Operationszeitpunkt und die Revisionsrate proximaler Femurfrakturen
Galler, Stefanie (2022) Der Einfluss gebräuchlicher Antikoagulantien auf den Operationszeitpunkt und die Revisionsrate proximaler Femurfrakturen. Dissertation, Universität Regensburg.Veröffentlichungsdatum dieses Volltextes: 18 Feb 2022 11:24
Hochschulschrift der Universität Regensburg
DOI zum Zitieren dieses Dokuments: 10.5283/epub.51693
Zusammenfassung (Deutsch)
Hintergrund: Proximale Femurfrakturen sollten nach aktuellem Beschluss innerhalb von 24 h oder sobald wie möglich versorgt werden, um Komplikationen oder eine erhöhte Mortalität postoperativ zu senken, welche in den ersten beiden Jahren nach dem Unfall bis zu 50% betragen kann. Jedoch sind Patienten mit einer blutverdünnenden Therapie auf Grund von diversen Begleiterkrankungen einem erhöhten ...
Hintergrund: Proximale Femurfrakturen sollten nach aktuellem Beschluss innerhalb von 24 h oder sobald wie möglich versorgt werden, um Komplikationen oder eine erhöhte Mortalität postoperativ zu senken, welche in den ersten beiden Jahren nach dem Unfall bis zu 50% betragen kann. Jedoch sind Patienten mit einer blutverdünnenden Therapie auf Grund von diversen Begleiterkrankungen einem erhöhten Risiko für Komplikationen bei einer zeitnahen Versorgung ausgesetzt.
Material und Methoden: In einer retrospektiven monozentrischen Studie über 10 Jahre (2008 bis 2017) wurden 1193 Patienten mit proximalen Femurfrakturen und einer minimalen Nachuntersuchungszeit von 2 Jahren herausgefiltert. Multiple Parameter wie die ASA-Klassifikation, Zeit bis zur OP, Notwendigkeit zur präoperativen Konditionierung wie auch eine Therapie mit Antikoagulantien wurden erhoben. Es erfolge eine Aufteilung in zwei Gruppen: Gruppe 1 bestand aus Patienten ohne Antikoagulation gegenüber Gruppe 2 mit Antikoagulation. Das Follow-Up war mindestens zwei Jahre mit definiteren Endpunkten: Revisionsoperation wegen eines Hämatoms/Infektion oder Tod innerhalb der ersten beiden Jahre.
Ergebnisse: Es gab keinen signifikanten Unterschied zwischen den beiden Gruppen bezüglich Alter, Geschlecht, Frakturverteilung oder das gewählte OP-Verfahren. Antikoagulierte Patienten aus Gruppe 2 waren signifikant morbider und benötigten daher eher eine präoperative Konditionierung als Patienten aus Gruppe 1 (p<0.0001). Patienten in Gruppe 1 konnten schneller operiert werden (15.3±18.0h) als Patienten aus Gruppe 2 (23.8±34.8h) (p<0.0001). 64 (5.9%) Patienten hatten postoperativ ein Hämatom oder eine Infektion, 26 Patienten benötigten deshalb eine operative Revision. Verglichen mit anderen Studien war die 2 Jahres Mortalität in dieser Untersuchung niedriger als erwartet (während des stationären Aufenthaltes verstarben 6,1 %, innerhalb von 2 Jahren 18.8%). Jedoch verstarben Patienten aus Gruppe 2 signifikant eher innerhalb des ersten Jahres (p=0,040).
Zusammenfassung: Die Studie wies eine signifikante verlängerte Zeit bis zur operativen Versorgung bei antikoagulierten Patienten nach. Jedoch bestand für Patienten mit Antikoagulation kein erhöhtes Risiko postoperativ eine Komplikation wie Nachblutung, Hämatom oder Infektion zu erleiden. Deshalb sollte bei antikoagulierten Patienten weiterhin eine zeitnahe Versorgung angestrebt werden. Der größte limitierende Faktor neben der Antikoagulation ist, dass die Patienten in Gruppe 2 deutlich vorerkrankter sind. Daher war bei diesen Patienten häufiger eine präoperative Konditionierung oder eine Aufnahme auf die Intensivstation notwendig. Eine Limitierung dieser Studie war der relativ kurze Nachbeobachtungszeitraum für Patienten mit DOAKs. Grund war, dass die Zulassung von DOAKs zur Antikoagulation bei gewissen Vorerkrankungen in Deutschland erst zwischen 2011 bis 2015 erfolgte. Deshalb sind weitere Studien in Bezug auf eine zeitnahe operative Versorgung bei Patienten mit DOAKs notwendig.
Übersetzung der Zusammenfassung (Englisch)
Background: Proximal femur fractures are to be treated within 24 h or as early as possible to prevent complications and reduce the mortality rate, which is up to 50% in the first two years after accident. However, patients with need for anticoagulants due to comorbidities are at greater risk by timely surgical treatment. Material and Methods: In a retrospective single centre study over 10 years ...
Background: Proximal femur fractures are to be treated within 24 h or as early as possible to prevent complications and reduce the mortality rate, which is up to 50% in the first two years after accident. However, patients with need for anticoagulants due to comorbidities are at greater risk by timely surgical treatment.
Material and Methods: In a retrospective single centre study over 10 years (2008-2017) 1193 proximal femur fractures were investigated with a minimal follow up of two years. Multiple parameters like the general state of health (ASA), time until operation, the need for preoperative recompensation as well as any anticoagulants were recorded. The patients were divided into two groups: group 1 without anticoagulants versus group 2 with anticoagulants. The follow-up was at least two years with key points on revision surgery due to haematoma or infection in the first 12 weeks after surgery and the mortality in the first two years after surgery.
Results: No significant difference was found concerning age, gender, fracture classification and the chosen fracture management. Patients with anticoagulants (group 2) had significant more often an underlying health condition than group 1 and needed more preoperative reconditioning (p<0.0001). The time to surgery was significantly reduced for patients of group 1 (15.3±18.0h) than patients of group 2 (23.8±34.8h) (p<0.0001). 64 (5.9%) Patients suffered from postoperative haematoma or infection, of those 26 needed revision surgery. There was no significance difference concerning postoperative haematoma or infection or need for revision surgery. Compared to other studies the mortality rate was lower than expected (in-house 6.1%, two-year mortality rate 18.8%), but patients of group 2 died significantly earlier (p=0.040) within the first year after surgery.
Conclusion: This study showed a significant delay of surgery for patients with anticoagulation. However, there was no higher risk for anticoagulated patients to suffer from postoperative bleeding, haematoma or infection. Therefore, surgery should be attained within 24 h. The most limiting factor beside anticoagulation is the general state of health of the patients sustaining the fracture. More patients in group 2 needed preoperative reconditioning or were admitted to the ICU ward. A limitation of this study is the relatively short observation period for usage of DOAKs due to the late medical approval in Germany for anticoagulation for certain indications between 2011 and 2015. Further studies are needed for the identification of the complication rate due to DOAKs.
Beteiligte Einrichtungen
Details
| Dokumentenart | Hochschulschrift der Universität Regensburg (Dissertation) |
| Datum | 18 Februar 2022 |
| Begutachter (Erstgutachter) | PD Dr. Paul Schmitz und Prof. Dr. Michael Koller |
| Tag der Prüfung | 16 Februar 2022 |
| Institutionen | Medizin > Lehrstuhl für Unfallchirurgie |
| Stichwörter / Keywords | proximal femur, anticoagulants, time to sugery, revision rate |
| Dewey-Dezimal-Klassifikation | 600 Technik, Medizin, angewandte Wissenschaften > 610 Medizin |
| Status | Veröffentlicht |
| Begutachtet | Ja, diese Version wurde begutachtet |
| An der Universität Regensburg entstanden | Ja |
| URN der UB Regensburg | urn:nbn:de:bvb:355-epub-516930 |
| Dokumenten-ID | 51693 |
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