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Althammer, Christoph ; Wolff, Christian ; Bauer, Jens ; Sageder, Julia ; Sautmann, Marie

Abschlussbericht des Forschungsprojekts Reallabor Basisdokument im Auftrag der Justizministerien Bayerns und Niedersachsens

Althammer, Christoph, Wolff, Christian , Bauer, Jens, Sageder, Julia and Sautmann, Marie (2024) Abschlussbericht des Forschungsprojekts Reallabor Basisdokument im Auftrag der Justizministerien Bayerns und Niedersachsens. Project Report, Universität Regensburg, Regensburg.

Date of publication of this fulltext: 23 Oct 2024 12:58
Monograph
DOI to cite this document: 10.5283/epub.59414


Abstract

Die konzeptionell weiterentwickelte Idee eines digital organisierten Parteivortrags in einem digitalen Basisdokument wurde an vier Landgerichten Bayerns und Niedersachsens im bundesweit ersten Reallabor auf dem Gebiet des Zivilprozesses praktisch erprobt. Mit dem Basisdokument werden der gesamte Parteivortrag sowie richterliche Hinweise in einem digitalen Dokument gebündelt. Das Basisdokument ...

Die konzeptionell weiterentwickelte Idee eines digital organisierten Parteivortrags in einem digitalen Basisdokument wurde an vier Landgerichten Bayerns und Niedersachsens im bundesweit ersten Reallabor auf dem Gebiet des Zivilprozesses praktisch erprobt. Mit dem Basisdokument werden der gesamte Parteivortrag sowie richterliche Hinweise in einem digitalen Dokument gebündelt. Das Basisdokument ersetzt so den Austausch von Schriftsätzen mit Sachvortrag und Rechtsausführungen. Der Vortrag der Parteien erfolgt weiterhin unabhängig von gegnerischem Vortrag. Die digitale Organisation des Parteivortrags ermöglicht jedoch direkte Bezugnahmen auf gegnerische Vortragselemente sowie die gezielte spätere Ergänzung des Vortrags an der sachlich passenden Stelle. Die Art und Weise der Befüllung des Basisdokuments bleibt hinsichtlich des Umfangs und des inhaltlichen Aufbaus unbeschränkt. Eine inhaltliche Ausrichtung auf das konkrete Verfahren kann im Einzelfall durch die Gerichte durch „Vorpräparierung“ erfolgen („relatives Basisdokument“).

Die Erprobung fand auf freiwilliger Basis unter den technischen und rechtlichen Rahmenbedingungen des gegenwärtigen Zivilprozesses statt. Die verfahrensbezogene Kommunikation erfolgte auf Basis des bestehenden elektronischen Rechtsverkehrs nach Maßgabe der Vorgaben des ERV. Das Forschungsinteresse der Projektgruppe konzentrierte sich auf eine ergebnisoffene Untersuchung der Praxistauglichkeit des Basisdokuments.

Insgesamt wurden von 60 teilnehmenden Richterinnen und Richtern über einhundert Verfahren für die Erprobung des Basisdokuments gemeldet. Aus diesen Verfahren konnten u.a. in 51 Interviews umfassende qualitative Erkenntnisse zur Praktikabilität des Basisdokuments in der zivilprozessualen Praxis gewonnen werden.

Die erprobte Umsetzung des Basisdokuments wurde von einem Großteil der Erprobungsteilnehmenden konzeptionell positiv bewertet. Besonders überzeugen konnte dabei der inhaltlich offene Ansatz, mit dem eine digitale Aufbereitung des Parteivortrags ohne Eingriff in die freie inhaltliche Gestaltung des Vortrags durch Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten gelingt. Zahlreiche Vorteile des Basisdokuments wurden bestätigt. Zweifel an der Handhabbarkeit des Basisdokuments in der zivilprozessualen Praxis konnten in großen Teilen ausgeräumt werden. Grundsätzliche, konzeptionelle Kritik an dem im Reallabor erprobten Ansatz blieb vereinzelt. Die hohe Akzeptanz des Basisdokuments im Reallabor zeigt, dass sich das Grundkonzept des minimalinvasiven Basisdokuments in einem ersten Praxistest bewährt hat (Proof of Concept) und ein zentrales Element eines modernen, digitalen Zivilprozesses sein kann.

Es empfehlt sich auf dieser Grundlage eine Fortsetzung der Erprobung des im Reallabor bewährten Konzepts des Basisdokuments unter Nutzung einer Experimentierklausel und unter Abkehr vom Freiwilligkeitsprinzip des Reallabors. Die rechtlichen Grundlagen sollten sich auch auf den Einsatz einer Kommunikationsplattform zur weitergehenden Erprobung erstrecken.

Für eine vertiefende Erprobung bei bestimmten Gerichten wäre eine verpflichtende, rechtsgebiets- und verfahrensunabhängige Nutzung des Basisdokuments im Anwaltsprozess ab Klageerhebung bei Möglichkeit eines Opt-out auf Parteiantrag, über den das Gericht mittels unanfechtbaren Beschlusses entscheidet, ratsam.

Auf diese Weise könnten im Reallabor offengebliebene Forschungsfragen untersucht werden.


Involved Institutions


Details

Item typeMonograph (Project Report)
Publisher:Universität Regensburg
Place of Publication:Regensburg
Number of Pages:386
Date23 July 2024
InstitutionsLaw > Bürgerliches Recht > Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Deutsches, Europäisches und Internationales Verfahrensrecht sowie außergerichtliche Streitbeilegung (Prof. Dr. jur. Christoph Althammer)
Languages and Literatures > Institut für Information und Medien, Sprache und Kultur (I:IMSK) > Lehrstuhl für Medieninformatik (Prof. Dr. Christian Wolff)
Informatics and Data Science > Department Human-Centered Computing > Lehrstuhl für Medieninformatik (Prof. Dr. Christian Wolff)
KeywordsBasisdokument, Reallabor, Zivilprozess, Rechtsinformatik, Legal Tech, Qualitative Inhaltsanalyse, Interview
Dewey Decimal Classification000 Computer science, information & general works > 004 Computer science
300 Social sciences > 340 Law
StatusPublished
RefereedYes, this version has been refereed
Created at the University of RegensburgYes
URN of the UB Regensburgurn:nbn:de:bvb:355-epub-594147
Item ID59414

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