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Albumin enthaltende Vesikel im Harn – ein neuer Marker für Defekte der renalen Filtrationsbarriere
Felgner, Rike (2026) Albumin enthaltende Vesikel im Harn – ein neuer Marker für Defekte der renalen Filtrationsbarriere. Dissertation, Universität Regensburg.Veröffentlichungsdatum dieses Volltextes: 29 Jul 2026 11:10
Hochschulschrift der Universität Regensburg
DOI zum Zitieren dieses Dokuments: 10.5283/epub.79776
Zusammenfassung (Deutsch)
Chronische Nierenerkrankungen stellen eine zunehmende Belastung für das Gesundheitssystem dar. Durch den demografischen Wandel sind auch in den kommenden Jahren weiter steigende Prävalenzen zu erwarten. Die in der Einleitung dargestellten pathophysiologischen Mechanismen chronischer Nierenerkrankungen unterstreichen die zentrale Rolle der Podozyten bei der Entwicklung und Progression von ...
Chronische Nierenerkrankungen stellen eine zunehmende Belastung für das Gesundheitssystem dar. Durch den demografischen Wandel sind auch in den kommenden Jahren weiter steigende Prävalenzen zu erwarten. Die in der Einleitung dargestellten pathophysiologischen Mechanismen chronischer Nierenerkrankungen unterstreichen die zentrale Rolle der Podozyten bei der Entwicklung und Progression von Proteinurie und Niereninsuffizienz. Bisherige diagnostische Ansätze wie die Bestimmung der eGFR oder der Albumin-Kreatinin-Ratio werden erst in späten Krankheitsstadien auffällig und bieten keine ausreichende Möglichkeit für Frühinterventionen. So wird deutlich, dass ein ungedeckter Bedarf an diagnostischen Möglichkeiten besteht, die subklinische Veränderungen erfassen, um eine rechtzeitige Behandlung ermöglichen können. Die vorliegende Arbeit bietet einen ersten Ausblick auf den Einsatz von vesikulären Markern, um dieser Aufgabe zu begegnen.
In Vesikeln verpacktes Albumin und das in der Zellmembran der Podozyten enthaltene Podocalyxin sind vor dem Abbau durch Proteasen, der Resorption durch die proximalen Tubuluszellen und anderen Einflüssen entlang der ableitenden Harnwege geschützt und treten daher wahrscheinlich unverändert im Endharn auf. Darin sehen wir ihr vielversprechendes Potenzial. Die Bestimmung dieser vesikulären Proteine überträgt Erkenntnisse aus der physiologischen Grundlagenforschung in die klinisch-nephrologische Diagnostik und adressiert Probleme von epidemiologischer Tragweite, denn die Ergebnisse der Arbeit zeigen, dass vesikuläres Albumin und Podocalyxin komplementäre Informationen über pathophysiologische Prozesse der Nieren liefern könnten: Vesikuläres Albumin korreliert mit der ACR sowie dem Entzündungsmarker CRP, was als Indikator gestörter endothelialer Integrität aufgefasst werden kann. Die Korrelation der neuen exosomalen Marker mit dem Serum-CRP legt nahe, dass vesikuläres Albumin und Podocalyxin stärker mit Entzündungsprozessen assoziiert sind als herkömmliche Nierenmarker. Ein signifikanter Anstieg von Podocalyxin im Alter und der Zusammenhang mit einer Abnahme der eGFR deuten zusätzlich auf kumulative Schädigungen der GFB hin, die mit dem renalen Alterungsprozess assoziiert sein könnten. Ein unerwartetes und komplexes Ergebnis der Studie bestand darin, dass vesikuläres Albumin und Podocalyxin trotz ihres gemeinsamen Ursprungs und der positiven Korrelation miteinander, deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede aufweisen. Der Zusammenhang der Albumin-Vesikel mit dem RAAS-System und dessen bekannten Auswirkungen auf die Nierenfunktion zeigt einmal mehr, dass der Marker nicht nur statistisch korreliert, sondern unterstreicht die biologische Relevanz der neuen Marker im Hinblick auf die Pathophysiologie von chronischen Nierenerkrankungen.
Diese erste Übertragung von Erkenntnissen aus dem Tierversuch auf den Menschen stützt die Möglichkeit vesikulärer Biomarker als Ergänzung zu klassischen Parametern. Bei erfolgreicher Umsetzung könnten sekundärpräventive Maßnahmen früher eingeleitet werden, was langfristig nicht nur die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten verbessert, sondern auch die Belastung für das Gesundheitssystem reduziert. Darüber hinaus könnten diese Marker zur Therapieüberwachung dienen, indem sie die Wirkung von Medikamenten wie RAAS-Inhibitoren messbar machen.
Dennoch sind einige Limitationen zu beachten. Die Querschnittsstruktur der Studie erlaubt keine Aussagen zur Dynamik der Marker im Krankheitsverlauf oder über ihren prädiktiven Wert. Ebenso bedarf es mechanistischer Studien, um die genaue Herkunft und Zusammensetzung der Vesikel zu klären, insbesondere die Differenzierung zwischen Exosomen und Apoptosekörperchen als Quellen der Biomarker. Geschlechtsspezifische Untersuchungen müssen durchgeführt werden, um die Physiologie der Unterschiede zu verstehen und wichtige Implikationen für die klinische Nutzung nicht zu übersehen.
Zusammenfassend stellt diese Arbeit einen ersten, vielversprechenden Schritt auf dem Weg zur Nutzung von Vesikeln als „Liquid Biopsies“ dar, um den Bedarf an Früherkennung und differenzierter Beurteilung von Nierenschädigungen zu adressieren. Die Ergebnisse zu den potenziellen Biomarkern leisten einen Beitrag zur Entschlüsselung geschlechts- und altersspezifischer Pathomechanismen der CKD und legen den Grundstein für eine zukünftige klinische Implementierung dieser Marker, mit dem Ziel, die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit CKD nachhaltig zu verbessern und die Progression der Erkrankung frühzeitig zu verhindern.
Übersetzung der Zusammenfassung (Englisch)
Chronic kidney disease represents a growing burden on the healthcare system. Due to demographic change, further increase in prevalence is to be expected in the coming years. The pathophysiological mechanisms behind the development and aggravation chronic kidney disease underscore the central role of podocytes in the progression of proteinuria and renal insufficiency. Established diagnostic ...
Chronic kidney disease represents a growing burden on the healthcare system. Due to demographic change, further increase in prevalence is to be expected in the coming years. The pathophysiological mechanisms behind the development and aggravation chronic kidney disease underscore the central role of podocytes in the progression of proteinuria and renal insufficiency. Established diagnostic approaches such as the determination of eGFR or the albumin-creatinine ratio only become abnormal at late disease stages and hence offer insufficient options for early intervention. This highlights an unmet need for diagnostic tools capable of detecting subclinical changes to enable timely treatment. The present work provides an insightful glance into the use of vesicular markers to address this challenge in the future.
Vesicles containing albumin and podocalyxin are protected from degradation by proteases, reabsorption by proximal tubular cells, and other influences along the urinary tract due to their lipid membrane, and are therefore likely to appear unaltered in the final urine. This is where we see their promising potential. The analysis of these vesicular proteins translates findings from basic physiological research into clinically relevant nephrological diagnostics and addresses problems of epidemiological significance, as the results of this work show that vesicular albumin and podocalyxin may provide complementary information about pathophysiological renal processes: vesicular albumin correlates with the ACR as well as with the inflammatory marker CRP, which can be interpreted as an indicator of impaired endothelial integrity. The correlation of the new vesicular markers with serum CRP-levels suggests that vesicular albumin and podocalyxin are more strongly associated with inflammatory processes than conventional renal markers. A significant increase in podocalyxin with age, along with its association with a decline in eGFR, further points to an association of podocalyxin with the renal aging process seen as cumulative damage to the glomerular filtration barrier. An unexpected and complex finding of the study was that, despite their common origin and their positive correlation with one another, vesicular albumin and podocalyxin exhibit marked sex-specific differences. The association of vesicular albumin with the RAAS system and its known effects on renal function once again demonstrates that the marker is not merely statistically correlated, but underscores the biological relevance of the new markers regarding the pathophysiology of chronic kidney disease.
This first translation of findings from animal experiments to humans supports the potential of vesicular biomarkers as a beneficial addition to classical parameters. If successfully implemented, secondary preventive measures could be initiated earlier, which would not only improve patients' quality of life but also reduce the burden on the healthcare system in the long term. Furthermore, these markers could possibly serve to monitor therapeutic impacts by making the effects of medications such as RAAS inhibitors measurable, helping to identify non-responders early on.
Nevertheless, several limitations must be considered. The cross-sectional design of this study does not allow conclusions to be drawn about the dynamics of the markers over the course of disease or about their predictive value. Likewise, mechanistic studies are needed to clarify the precise origin and composition of the vesicles, particularly to differentiate between exosomes and apoptotic bodies as sources of the biomarkers. Sex-specific investigations must be conducted to better understand the physiology underlying these differences and to ensure that important implications for clinical use are not overlooked.
In summary, this work represents a first, promising step toward the use of vesicles as "liquid biopsies" to address the currently unmet need for early detection and differentiated assessment of renal damage. The findings on these potential biomarkers contribute to unraveling sex- and age-specific pathomechanisms of CKD and lay the foundation for future clinical implementation of these markers, with the aim of improving care for patients with CKD and preventing disease progression at an early stage.
Beteiligte Einrichtungen
Details
| Dokumentenart | Hochschulschrift der Universität Regensburg (Dissertation) |
| Open Access Art: | Primärpublikation |
|---|---|
| Datum | 29 Juli 2026 |
| Begutachter (Erstgutachter) | Prof. Dr. Wolf Hayo Castrop |
| Tag der Prüfung | 25 Juni 2026 |
| Institutionen | Biologie und Vorklinische Medizin > Institut für Physiologie Biologie und Vorklinische Medizin > Institut für Physiologie > Prof. Dr. Wolf Hayo Castrop |
| Stichwörter / Keywords | Chronic Kidney Disease; Renal Physiology; Urinary Vesicles; Albumin-Containing Vesicles; Podocyte Health; |
| Dewey-Dezimal-Klassifikation | 600 Technik, Medizin, angewandte Wissenschaften > 610 Medizin |
| Status | Veröffentlicht |
| Begutachtet | Ja, diese Version wurde begutachtet |
| An der Universität Regensburg entstanden | Ja |
| URN der UB Regensburg | urn:nbn:de:bvb:355-epub-797761 |
| Dokumenten-ID | 79776 |
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