Direkt zum Inhalt

Biederbeck, Annika Katharina

Development of a curriculum for the education of certified "Traumahelper Supervisors" as part of the Traumahelper Project and verification of the curriculum´s efficiency during practical use

Hochschulschrift der Universität Regensburg

Biederbeck, Annika Katharina (2026) Development of a curriculum for the education of certified "Traumahelper Supervisors" as part of the Traumahelper Project and verification of the curriculum´s efficiency during practical use. Dissertation, Universität Regensburg.

DOI zum Zitieren dieses Dokuments: 10.5283/epub.80434


Zusammenfassung (Deutsch)

Im Rahmen der Flüchtlingskriese von 2015 wurde auch in Deutschland deutlich, dass die vorhandene Zahl professioneller Psychotherapeuten den bestehenden Therapiebedarf in Krisensituationen kaum decken kann. Häufig entstehen für die Betroffenen lange Wartezeiten auf einen Therapieplatz, ohne dass bis dahin irgendeine psychotherapeutische Unterstützung angeboten werden kann. Eine frühe ...

Im Rahmen der Flüchtlingskriese von 2015 wurde auch in Deutschland deutlich, dass die vorhandene Zahl professioneller Psychotherapeuten den bestehenden Therapiebedarf in Krisensituationen kaum decken kann. Häufig entstehen für die Betroffenen lange Wartezeiten auf einen Therapieplatz, ohne dass bis dahin irgendeine psychotherapeutische Unterstützung angeboten werden kann. Eine frühe therapeutische Intervention kann jedoch insbesondere bei Traumafolgestörungen eine Chronifizierung der Symptome verhindern. In Ländern mit einer generell schlechteren medizinischen Versorgung erhalten Betroffene nicht selten aus
finanziellen oder aus Gründen der Verfügbarkeit nie eine angemessene Therapie und leiden langfristig unter schwerwiegenden Symptomen der Traumatisierung. Das Konzept der Traumahelfer, bei dem Laien als Multiplikatoren in den therapeutischen
Prozess miteinbezogen werden, ermöglichte es die Kapazitäten eines einzigen professionellen Psychotherapeuten zu verzehnfachen. Trotz geringer personeller und finanzieller Ressourcen kann so eine Therapie für viele Menschen ermöglicht werden. In einem zweitägigen Lehrgang werden Laien geschult und auf ihre spätere Tätigkeit als Traumahelfer vorbereitet. Der Lehrgang zum zertifizierten Traumahelfer
umfasst dabei auch einen Einblick in die theoretischen Hintergründe von Traumatisierung und Therapie, sowie das Erlernen von Stabilisierungstechniken, wie dem entschleunigten Atmen, Somatic Universal Regulative Exercise (SURE) oder der bilateralen Stimulation. Die Wirksamkeit dieses laienassistierten Therapieverfahrens konnte bereits in vorangegangenen Studien zum Thema im In- und Ausland nachgewiesen werden. (1)
Da in Regionen mit schlechter medizinischer Versorgung und geringen finanziellen Mitteln nicht immer die Möglichkeit besteht professionelle Trauma-Therapeuten für die Leitung der Therapiegruppen einzustellen, wurde die Fortbildung zum Traumahelper Supervisor erstellt. In einem zweiwöchigen Kurs haben pädagogische Fachkräfte und
Studierende mit naturwissenschaftlich-medizinischem Schwerpunkt, die Möglichkeit die Zusatzqualifikation „zertifizierter Traumahelper Supervisor“ zu erhalten. Diese Zusatzqualifikation ermöglicht es dem Traumahelper Supervisor, Traumahelfer Gruppen zu leiten, und Traumahelfer auszubilden. Um einen internationalen Standard
und eine konstante Qualität der Ausbildung zu ermöglichen, erfolgt diese nach einem zu diesem Zweck erstellten Curriculum, das die zeitlichen Rahmenbedingungen, sowie die notwendigen Lerninhalte festlegt.
Methode:
Die Verifizierung der Effizienz des Curriculums erfolgte anhand von Daten, welche in der Region Guntur in Andhra Pradesh erhoben wurden. Durch die Zusammenarbeit mit der dort ansässigen CARDS-Organisation, welche auf die Arbeit mit Kindern aus
sozial schwachen Verhältnissen, sowie auf die Förderung der Rechte der sogenannten Dalits spezialisiert ist, konnten bereits seit einiger Zeit erfolgreiche Traumahelfer Gruppen stattfinden. Zum Zeitpunkt der Datenerhebung wurden dort erstmals fünf Trauma Supervisors nach dem hier vorgestellten Curriculum ausgebildet und übernahmen dann im Anschluss die Ausbildung der Trauma Helfer, sowie die Leitung
der Therapiegruppen. Um den therapeutischen Erfolg der Maßnahme zu objektivieren, erfolgte sowohl ein Screening mithilfe von etablierten Fragebögen vor Therapiebeginn als auch eine entsprechende Nachbefragung bei der die Bögen erneut ausgefüllt
wurden. Da dieselben Fragebögen in der vorangegangenen Forschung, zur Therapie mithilfe von Traumahelfern, eingesetzt wurden, erlaubt die Auswertung der Bögen auch eine Vergleichbarkeit der Ergebnisse.
Die Daten aus der Region Guntur in Andhra Pradesh wurden als Grundlage für diese Arbeit gewählt, da die Zusammensetzung des Patientenkollektivs, dem aus vorangegangen Studien gleicht. Ein großer Teil der dort lebenden Bevölkerung lebt
unter der Armutsgrenze. Das Resultat daraus ist eine insgesamt schlechtere medizinische Versorgung. Krankheiten werden nicht selten mit schmerzhaften Hausmitteln behandelt, was insbesondere für Kinder ein potenziell traumatisches Erlebnis darstellt. Viele Kinder sind zudem gezwungen bereits früh zur finanziellen
Unterstützung ihrer Familien beizutragen. Obwohl Kinderarbeit auch in Indien per Gesetz untersagt ist, arbeiten weiterhin Kinder unter schlechten Sicherheitsbedingungen in Fabriken und Steinbrüchen. Eine professionelle Psychotherapie um die Folgen von Armut,Kinderarbeit, Krankheit und sozialer
Isolation zu verarbeiten ist für den Großteil der Betroffenen außer Reichweite. Die Therapien mit Hilfe der Traumahelfer Supervisors erfolgten in einer Schule für Kinder mit Behinderung, einem Waisenhaus für Mädchen und einer Schule für Kinderarbeiter im Indischen Staat Andhra Pradesh. Alle Einrichtungen waren Teil der
CARDS-Organisation.
Ergebnisse: Nach Abschluss der therapeutischen Intervention zeigte sich bei allen Kindern eine deutliche Verbesserung der Belastungswerte verglichen mit den Ausgangswerten während des Screenings. In einer vorangegangenen Studie konnte
bereits die Wirksamkeit der klassischen Trauma Helfer Gruppen demonstriert werden. Basierend auf diesen Ergebnissen wurden die Post-Therapie Scores des CRIES und
DSRS Fragenbogens traditioneller Trauma Helfer Gruppen mit denen der von Trauma Supervisors geleiteten Gruppen verglichen. Es konnten in den Gruppen, welche von Trauma Supervisors geleitet wurden, für beide Fragebögen ähnliche Resultate wie in
den traditionellen Trauma Helfer Gruppen erzielt werden. Die Leitung einer Trauma Helfer Gruppe durch einen Trauma Supervisor kann daher schnelle und niedrigschwellige, jedoch trotzdem durchaus effiziente Hilfe für traumatisierte Menschen bieten. Für die Ausbildung der Trauma Helfer wurden darüber hinaus keine
Dolmetscher benötigt, da es sich bei den Trauma Supervisors um Muttersprachler handelte. Die Ausbildung der Trauma Helfer erfolgte dabei nach dem bereits bewährten Prinzip der an mehreren Standorten in und außerhalb Deutschlands angebotenen Fortbildung.
Da alle Therapien innerhalb der Schule oder Unterkunft der Kinder stattfanden, erleichterte das die Teilnahme und verringerte das Risiko eines vorzeitigen Therapieabbruchs oder versäumter Stunden.

Übersetzung der Zusammenfassung (Englisch)

In the context of the 2015 refugee crisis, it became clear in Germany as well that the current number of professional psychotherapists is barely sufficient to meet the existing demand for therapy in crisis situations. Those affected often face long wait times for a therapy slot, without any psychotherapeutic support being offered in the meantime. However, early therapeutic intervention can ...

In the context of the 2015 refugee crisis, it became clear in Germany as well that the current number of professional psychotherapists is barely sufficient to meet the existing demand for therapy in crisis situations. Those affected often face long wait times for a therapy slot, without any psychotherapeutic support being offered in the meantime. However, early therapeutic intervention can prevent symptoms from becoming chronic, particularly in cases of trauma-related disorders. In countries with generally poorer medical care, those affected often do not receive due to financial constraints or a lack of availability, they never receive appropriate therapy and suffer from severe symptoms of trauma over the long term. The concept of trauma assistants—in which laypeople are involved in the therapeutic process as multipliers—has made it possible to increase the capacity of a single professional sychotherapist tenfold. Despite limited human and financial resources, this approach makes therapy accessible to many people. In a two-day training course, laypeople are trained and prepared for their future role as trauma assistants. The training course to become a certified trauma assistant also includes an overview of the theoretical foundations of trauma and therapy, as well as instruction in stabilization techniques such as slowed breathing, Somatic Universal Regulative Exercise (SURE), and bilateral stimulation. The effectiveness of this layperson-assisted therapeutic approach has already been demonstrated in previous studies on the subject both in Germany and abroad. (1) Since regions with poor medical care and limited financial resources do not always have the means to hire professional trauma therapists to lead therapy groups, the Trauma Helper Supervisor training program was developed. In a two-week course, education professionals and students with a focus on the natural sciences and medicine have the opportunity to earn the additional qualification of “Certified Trauma Helper Supervisor.” This additional qualification enables the Trauma Helper Supervisor to lead Trauma Helper groups and to train Trauma Helpers. To ensure an international standard and consistent quality of training, the program follows a curriculum specifically designed for this purpose, which defines the time frame and the required learning content.
Method:
The curriculum’s effectiveness was verified using data collected in the Guntur region of Andhra Pradesh. Through collaboration with the local CARDS organization—which specializes in working with children from
socially disadvantaged backgrounds and in promoting the rights of the so-called Dalits—successful trauma support groups had already been in operation for some time. At the time of data collection, five trauma supervisors were trained there for the first time using the curriculum presented here; they subsequently took over the training of the trauma helpers as well as the leadership
of the therapy groups. To objectively assess the therapeutic success of the intervention, a screening was conducted using established questionnaires before the start of therapy, followed by a follow-up survey in which the questionnaires were completed again. Since the same questionnaires were used in previous research on therapy with trauma support workers, the analysis of the questionnaires also allows for a comparison of the results.
Data from the Guntur region in Andhra Pradesh were selected as the basis for this study because the composition of the patient population is similar to that in previous studies. A large portion of the population living there lives below the poverty line. As a result, the overall quality of medical care is poorer. It is not uncommon for illnesses to be treated with painful home remedies, which can be a potentially traumatic experience, especially for children. Many children are also forced to contribute to their families’ financial support at an early age. Although child labor is prohibited by law in India as well, children continue to work under poor safety conditions in factories and quarries. Professional psychotherapy to help them cope with the consequences of poverty, child labor, illness, and social isolation is out of reach for the majority of those affected. The therapies, conducted with the assistance of trauma support supervisors, took place at a school for children with disabilities, an orphanage for girls, and a school for child laborers in the Indian state of Andhra Pradesh. All of these facilities were part of the CARDS organization.
Results: Upon completion of the therapeutic intervention, all children showed a significant improvement in stress levels compared to their baseline scores during the screening. A previous study had already demonstrated the effectiveness of traditional trauma support groups. Based on these results, the post-therapy scores from the CRIES and DSRS questionnaires for traditional trauma support groups were compared with those from groups led by trauma supervisors. In the groups led by trauma supervisors, similar results to those in the traditional trauma support groups were achieved for both questionnaires. Therefore, having a trauma supervisor lead a trauma support group can provide rapid, low-threshold, yet highly effective assistance to traumatized individuals. Furthermore, no interpreters were needed for the training of the trauma support workers, as the trauma supervisors were native speakers. The training of the trauma helpers followed the proven model of continuing education programs offered at multiple locations both within and outside Germany.
Since all therapy sessions took place within the children’s school or living quarters, this facilitated participation and reduced the risk of premature discontinuation of therapy or missed sessions.


Beteiligte Einrichtungen


Details

DokumentenartHochschulschrift der Universität Regensburg (Dissertation)
Open Access ArtPrimärpublikation
Seitenanzahl132
Datum5 November 2026
Veröffentlichungsdatum05 Nov 2026 09:13
Begutachter (Erstgutachter)Prof. Dr. Thomas Loew
Tag der Prüfung3 August 2026
InstitutionenMedizin > Abteilung für Psychosomatische Medizin
Stichwörter / KeywordsTraumahelfer, PTSD, angeleitete Laienhilfe
Dewey-Dezimal-Klassifikation600 Technik, Medizin, angewandte Wissenschaften > 610 Medizin
StatusVeröffentlicht
BegutachtetJa, diese Version wurde begutachtet
An der Universität Regensburg entstandenJa
URN der UB Regensburgurn:nbn:de:bvb:355-epub-804344
Dokumenten-ID80434

Bibliographische Daten exportieren

Nur für Besitzer und Autoren: Kontrollseite des Eintrags

nach oben