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Fluhrer, Theresa

Einfluss der COVID-19-Pandemie auf die Inzidenz, Stadienverteilung, Therapie und Prognose von Patienten mit einem Lungenkarzinom: Eine Registerbasierte Studie in Ostbayern

Hochschulschrift der Universität Regensburg

Fluhrer, Theresa (2026) Einfluss der COVID-19-Pandemie auf die Inzidenz, Stadienverteilung, Therapie und Prognose von Patienten mit einem Lungenkarzinom: Eine Registerbasierte Studie in Ostbayern. Dissertation, Universität Regensburg.

DOI zum Zitieren dieses Dokuments: 10.5283/epub.81025


Zusammenfassung (Deutsch)

Im Januar 2020 wurde in Deutschland erstmals eine Infektion mit SARS-CoV-2 nachgewiesen. Die COVID-19-Pandemie beeinflusste das Gesundheitssystem und die Inanspruchnahme medizinischer Leistungen erheblich. Insbesondere der Rückgang ärztlicher Konsultationen könnte zu verzögerten Diagnosen und Therapien geführt haben. Beim Lungenkarzinom stellt dies eine besondere Herausforderung dar, da keine ...

Im Januar 2020 wurde in Deutschland erstmals eine Infektion mit SARS-CoV-2 nachgewiesen. Die COVID-19-Pandemie beeinflusste das Gesundheitssystem und die Inanspruchnahme medizinischer Leistungen erheblich. Insbesondere der Rückgang ärztlicher Konsultationen könnte zu verzögerten Diagnosen und Therapien geführt haben. Beim Lungenkarzinom stellt dies eine besondere Herausforderung dar, da keine flächendeckenden Früherkennungsprogramme etabliert sind und die Symptome häufig unspezifisch sind oder denen einer COVID-19-Infektion ähneln. Ziel dieser Arbeit war es, anhand einer retrospektiven Analyse von Daten des Tumorzentrums Regensburg die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf die Versorgung von Patienten mit einem Lungenkarzinom zu untersuchen. Die Datenanalyse zeigte eine signifikante Abnahme der Lungenkrebsdiagnosen in der Studiengruppe um 5,68%. Die verringerte Inzidenz schien deskriptiv in zeitlichem Zusammenhang mit den pandemischen Höhepunkten von COVID-19 zu stehen. In der Analyse der Tumorstadien zeigte sich zudem ein signifikanter Anstieg des Anteils der im Stadium IV diagnostizierten Lungenkrebserkrankungen (Kontrollgruppe: 57%, 2020: 59,8%, 2021: 63,6%). Des Weiteren verkürzte sich die Zeitspanne zwischen Diagnosestellung und Beginn der Primärtherapie um 2 Tage im Jahr 2020. Bei einer weiteren Betrachtung der operativ therapierten Fälle zeigte sich eine signifikante Reduktion der Zeitspanne in der Studiengruppe. Gleichzeitig nahm die Zahl operativ behandelter Patienten um rund sechs Prozentpunkte im Jahr 2021 ab. Auch der Anteil der in Lungenkrebszentren behandelten Fälle verringerte sich deutlich. Im Bezug auf die Überlebenszeitanalyse zeigte sich eine im Jahr 2021 im Vergleich zur Kontrollgruppe signifikant schlechtere Überlebensprognose (p=0,011). Dabei verringerte sich die 1-Jahres-Überlebensrate von 50,7% in der Kontrollgruppe auf 46,9% im Jahr 2021. Insgesamt deuten die Ergebnisse auf eine pandemiebedingte Abnahme diagnostizierter Lungenkarzinome hin, die vermutlich nicht auf eine tatsächliche Reduktion der Erkrankungen, sondern auf eine geringere Diagnoserate zurückzuführen ist. Gleichzeitig zeigte sich eine Verschiebung der Tumorstadien hin zu fortgeschritteneren Stadien, insbesondere Stadium IV. Gründe hierfür lagen in reduzierten Arztbesuchen während der COVID-19- Pandemie, womöglich ausgelöst durch Infektionsängste und die Sorge, das Gesundheitssystem zu überlasten. Weitere Faktoren waren eingeschränkte Krankenhauskapazitäten sowie die mögliche Fehldeutung von Symptomen. Auch der in der Auswertung deskriptiv beschriebene Zusammenhang mit pandemischen Höhepunkten zeigt, dass Pandemiewellen und die damit verbundenen Maßnahmen einen Einfluss auf die Diagnosestellung von Lungenkarzinomen hatten und daher bei zukünftigen Krisen in die Versorgungsplanung einbezogen werden sollten. Dennoch blieb der Gesamteffekt der Inzidenzreduktion sowie der Stadienverschiebung gering, was auf die gute Ausstattung und Anpassungsfähigkeit des deutschen Gesundheitssystems sowie auf Aufklärungsmaßnahmen zur Aufrechterhaltung medizinischer Versorgung zurückgeführt werden kann. Des Weiteren zeigen die Ergebnisse einerseits eine pandemiebedingte Verringerung der Operationszahlen, andererseits jedoch eine Beschleunigung der Behandlungsaufnahme bei operativ therapierten Fällen. Mögliche Ursachen für die Reduktion der Häufigkeit operativer Therapien können in gesunkenen Krankenhauskapazitäten und in individuellen Patientenpräferenzen liegen. Der frühere Beginn der Therapie könnte zudem auf eine Priorisierung onkologischer Patienten während der COVID-19-Pandemie zurückzuführen sein. Zusätzlich könnten umfassende Hygienemaßnahmen, eine erhöhte Risikowahrnehmung im medizinischen Personal sowie die verstärkte Nutzung telemedizinischer Angebote zur Entlastung der Versorgung und somit Beschleunigung des Behandlungsbeginns beigetragen haben. Die Reduktion der Fälle, welche in einem zertifizierten Lungenkrebszentrum behandelt wurden spiegelt eine zunehmende Dezentralisierung in der Behandlung von Lungenkrebspatienten wieder. Mögliche Ursachen für den beobachteten Rückgang waren die pandemiebedingte Überlastung der Zentren, die Umverteilung medizinischer Ressourcen auf COVID-19-Patienten sowie der Wunsch vieler Betroffener nach wohnortnaher Behandlung. Zudem zeigten die Daten eine verringerte Prognose für das Jahr 2021. Gründe hierfür können die bereits genannten Faktoren wie verzögerte Diagnosen, fortgeschrittenere Tumorstadien sowie die Zunahme von Behandlungen außerhalb spezialisierter Zentren. Zudem könnte ein direkter Einfluss von COVID-19 auf die Mortalität von Lungenkrebspatienten bestehen.

Übersetzung der Zusammenfassung (Englisch)

In January 2020, the first case of SARS-CoV-2 infection was detected in Germany. The COVID-19 pandemic significantly impacted the healthcare system and the utilization of medical services. In particular, a decline in physician consultations may have led to delayed diagnoses and treatments. This poses a specific challenge in the context of lung cancer, as there are no comprehensive early-detection ...

In January 2020, the first case of SARS-CoV-2 infection was detected in Germany. The COVID-19 pandemic significantly impacted the healthcare system and the utilization of medical services. In particular, a decline in physician consultations may have led to delayed diagnoses and treatments. This poses a specific challenge in the context of lung cancer, as there are no comprehensive early-detection programs in place, and symptoms are often nonspecific or resemble those of a COVID-19 infection. The objective of this study was to examine the effects of the COVID-19 pandemic on the care of patients with lung cancer, based on a retrospective analysis of data from the Regensburg Tumor Center. The data analysis revealed a significant 5.68% decrease in lung cancer diagnoses within the study group. Descriptively, this reduced incidence appeared to coincide with the peaks of the COVID-19 pandemic. An analysis of tumor stages showed a significant increase in the proportion of lung cancer cases diagnosed at stage IV (control group: 57%; 2020: 59.8%; 2021: 63.6%). Furthermore, the interval between diagnosis and the initiation of primary therapy decreased by 2 days in 2020. A closer look at cases treated surgically revealed a significant reduction in this time interval within the study group. At the same time, the number of patients undergoing surgical treatment fell by approximately six percentage points in 2021. There was also a marked decline in the proportion of cases treated at specialized lung cancer centers. Regarding survival analysis, the prognosis for 2021 was significantly worse compared to the control group (p=0.011). The 1-year survival rate decreased from 50.7% in the control group to 46.9% in 2021. Overall, these findings suggest a pandemic-related decline in diagnosed lung cancer cases. A trend likely attributable to a lower diagnostic rate rather than an actual reduction in the incidence of the disease. At the same time, there was a shift toward more advanced tumor stages, particularly stage IV. This can be explained by a reduction in medical consultations during the COVID-19 pandemic, potentially driven by fears of infection and concerns about overburdening the healthcare system. Other contributing factors included limited hospital capacity and the potential misinterpretation of symptoms. Furthermore, the descriptive link observed between the data and pandemic peaks indicates that the waves of the pandemic and the associated measures impacted the diagnosis of lung cancer. This is a factor that should be incorporated into healthcare planning for future crises. Nevertheless, the overall impact on incidence and stage distribution remained limited, which can be attributed to the well-resourced and adaptable nature of the German healthcare system, as well as public awareness campaigns aimed at ensuring the continuity of medical care. Additionally, the results show both a pandemic-related decline in the number of surgeries and an acceleration in the initiation of treatment for patients who underwent surgical intervention. The reduction in the frequency of surgical procedures may be due to constrained hospital capacity and individual patient preferences. The earlier initiation of therapy could also be attributed to the prioritization of oncological patients during the COVID-19 pandemic. Furthermore, comprehensive hygiene measures, heightened risk awareness among medical staff, and the increased use of telemedicine, which helped alleviate the burden on healthcare services may have contributed to accelerating the start of treatment. The decline in the number of cases treated at certified lung cancer centers reflects an increasing decentralization in the care of lung cancer patients. Potential reasons for this observed trend include the pandemic-related strain on these centers, the reallocation of medical resources toward COVID-19 patients, and a preference among many patients for receiving care closer to home. Additionally, the data indicate a less favorable prognosis for 2021. This may be due to factors such as delayed diagnoses, more advanced tumor stages at the time of diagnosis, and a rise in treatments occurring outside of specialized centers. Moreover, COVID-19 may have had a direct impact on the mortality of lung cancer patients.


Beteiligte Einrichtungen


Details

DokumentenartHochschulschrift der Universität Regensburg (Dissertation)
Open Access ArtPrimärpublikation
Datum2 November 2026
Veröffentlichungsdatum02 Nov 2026 07:59
Begutachter (Erstgutachter)Prof. Dr. Hans-Stefan Hofmann
Tag der Prüfung13 Oktober 2026
InstitutionenMedizin > Abteilung für Thoraxchirurgie
Stichwörter / KeywordsCOVID-19; Lungenkarzinom; Versorgung
Dewey-Dezimal-Klassifikation600 Technik, Medizin, angewandte Wissenschaften > 610 Medizin
StatusVeröffentlicht
BegutachtetJa, diese Version wurde begutachtet
An der Universität Regensburg entstandenJa
URN der UB Regensburgurn:nbn:de:bvb:355-epub-810251
Dokumenten-ID81025

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