Frauen im Vortrag: Mündliche Performanz, Gender und Sensationalismus in metropolitanen Vortragseinrichtungen und Massenzeitschriftenkultur, 1860-1910
Gefördert von:
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Projektnummer: 274541459
Projektnummer: 274541459
Link zum Projekt auf Webseiten des Förderers
https://gepris.dfg.de/gepris/projekt/274541459Dauer
Projektbeginn: 2015Projektende: 2020
Beteiligte Institutionen
Nicht ausgewähltWeitere Informationen
Zusammenfassung
Das Projekt untersucht emergente Konzepte weiblicher Sichtbar- und Hörbarkeit in der britischen Medienlandschaft zwischen 1860-1910, anhand der komplexen Rückkopplungsprozesse zwischen metropolitanen Vortragseinrichtungen und populären und feministischen Periodika, unter besonderer Berücksichtigung der Rolle von Frauen in Kulturen der Rhetorik und Sprecherziehung (elocution). Es betrachtet Vortrags- und Print-Plattformen als politische Katalysatoren eines aufstrebenden - zunehmend weiblichen - Segments der urbanen (unteren) Mittelschicht. Mit der Leitfrage nach Möglichkeiten einer, stets prekären, öffentlichen weiblichen Agenz untersucht es Verhandlungen zwischen elitärer und populärer Kultur des 19. Jhs. sowie zwischen den Mediatisierungen der Zeitschriften und den damals ubiquitären Inszenierungen von Berühmtheit, Autorität und Präsenz. Bezogen auf Kommunikationswege zwischen fiktionalen und nicht-fiktionalen Texten, mündlichen Performanzen (Vorträge, Rezitationen) und institutionellen Rahmenbedingungen ‚rationaler Unterhaltungskultur‘, erforscht es archivalische ‚Spuren‘ und textuelle Darstellungen der Körper und Stimmen weiblicher Vortragender und Vortragsbesucher (“lecturers” / “lectured”, Belgravia, 1886). Es eröffnet auch neue Lesarten für ‚New Woman‘- und Frauenbewegungsromane, mit Bezug auf deren bewusste Inszenierung von Sensation und Remediatisierung der Medienlandschaft. Während Erzählungen von zunehmender weiblicher Handlungsermächtigung im Kontext eines prä-modernistischen Skeptizismus hinsichtlich ‚Präsenz‘ in einer technologisierten Welt hinterfragt wurden, ist die systematische kollektive (Selbst-)Erziehung von Frauen in Techniken des öffentlichen Sprechens einer der bisher kaum erforschten Aspekte des Erfolgs im Kampf um das Frauenwahlrecht („how the vote was won“, Cicely Hamilton).