Archäologische Untersuchungen zur Frage von Sozialstrukturen in der Ostgruppe des Glockenbecherphänomens anhand des Fundgutes
Bosch, Tobias Ludwig (2009) Archäologische Untersuchungen zur Frage von Sozialstrukturen in der Ostgruppe des Glockenbecherphänomens anhand des Fundgutes. Dissertation, Universität Regensburg.Veröffentlichungsdatum dieses Volltextes: 28 Jul 2009 14:05
Hochschulschrift der Universität Regensburg
DOI zum Zitieren dieses Dokuments: 10.5283/epub.12309
Zusammenfassung (Deutsch)
Für archäologische Untersuchungen zur Frage von Sozialstrukturen stehen in schriftloser Zeit lediglich Sachgüter als Quellen zur Verfügung. Dennoch ist ein zentrales Thema der prähistorischen Forschung gesellschaftlicher Wandel. Einen tiefen Einschnitt verursachte der Beginn der regelhaften Metallverarbeitung. Nicht zuletzt aufgrund dieser neuen Technologie und der Metallfunde der Frühbronzezeit ...
Für archäologische Untersuchungen zur Frage von Sozialstrukturen stehen in schriftloser Zeit lediglich Sachgüter als Quellen zur Verfügung. Dennoch ist ein zentrales Thema der prähistorischen Forschung gesellschaftlicher Wandel.
Einen tiefen Einschnitt verursachte der Beginn der regelhaften Metallverarbeitung. Nicht zuletzt aufgrund dieser neuen Technologie und der Metallfunde der Frühbronzezeit spricht man in diesem Zusammenhang von den �ersten Eliten�. Doch dieser Umbruch entwickelte sich über einen längeren Zeitraum. Seine Wurzeln liegen in der ausgehenden Jungsteinzeit bzw. Kupferzeit, genauer gesagt im so genannten Glockenbecherphänomen.
Von England bis Sizilien und von der Iberischen Halbinsel bis Ungarn haben Glockenbechergruppen ihre Spuren hinterlassen. Diese sind jedoch weniger Resultate einer geschlossenen Einwanderung, als vielmehr einer veränderten und mobileren Lebensweise, die im 3. Jahrtausend v. Chr. einen Umwälzungsprozess in Europa in Gang setzte. Ob damit auch veränderte Sozialstrukturen einhergingen, bildet das zentrale Thema dieser Arbeit.
Da eine sozial strukturierte Gesellschaft für die Glockenbechergruppen von der Forschung meist abgelehnt wird, erscheint eine durch eingehende methodische Untersuchung untermauerte und weniger spekulativ-theoretische Arbeit zu diesen Fragestellungen notwendig. Dies kann umso mehr gelten, da für die folgende Frühbronzezeit eine starke soziale Strukturierung der Gesellschaft allgemein als belegt gilt.
Aufgrund der Ergebnisse dieser Arbeit lässt sich sagen, dass es sich bei dem Glockenbecherphänomen um eine auf das Individuum bezogene Gesellschaft handelt. Damit verbunden ist der �Aufstieg einer Elite�, welche den Zugang zu Prestigegütern kontrollierte. Die Gleichartigkeit der Funde in Europa spricht für ein Beaker Exchange Network, welches auf Kommunikation und Ideologie beruht. Letztere setzt die �Teilnehmer� vom Rest ab und bindet sie aneinander.
Herrschaft über größere Gebiete ist nicht nachzuweisen, jedoch lassen sich Hierarchien innerhalb der erweiterten Familien bzw. �Clans� sowie Fernbeziehungen gut erkennen.
Im Laufe der Zeit kommt es zu einer Nivellierung der Gesellschaft, in der Personen mit einem herausragenden Status oder Prestige nicht mehr in dem Maße vorhanden zu sein scheinen wie zuvor. Eventuell sind diese Personen nun anderswo zu suchen. Eine Möglichkeit bietet die Frühbronzezeit, die sich zeitlich mit der Endphase des Glockenbecherphänomens überlappt. Die Glockenbechergruppen legten somit das Fundament für eine der glanzvollsten Epochen der Menschheitsgeschichte.
Übersetzung der Zusammenfassung (Englisch)
For archaeological investigations on the social stuctures of prehistoric times (before written words) the only available sources are goods. However, changes in the social life are a central subject in prehistoric research. The beginning of regular metal processing was a turning point in history. Here, the term �first elite� is used not only because of this new technology but also due to findings ...
For archaeological investigations on the social stuctures of prehistoric times (before written words) the only available sources are goods. However, changes in the social life are a central subject in prehistoric research.
The beginning of regular metal processing was a turning point in history. Here, the term �first elite� is used not only because of this new technology but also due to findings of metal objects in the Early Bronze Age. However, this upheaval developed over a longer period. It has its roots in the late neolithic or copperage, respectively, strictly speaking in the Bell Beaker Phenomenon.
The Bell Beaker Phenomenon left traces from England to Sicily and from the Iberic Peninsular to Hungary. However these traces do not result from immigration but from a changed and more mobile way of living. The central subject of this paper is whether there were changes in the social structure connected to this upheaval, which started in Europe in the third millenium b.c.
Not only because most prehistoric research denys the existence of social structures for the Bell Beaker Phenomenon, a more substantiate and methodical and a less theoretical research is necessary. This becomes even more important if taken into account that a social structure is evident in the following Early Bronze Age.
The results of the present work imply that the Bell Beaker society was related to the individual. Connected is the �rise of an elite�, who was in control of the distribution of prestige objects. The similar findings in Europe plead for a Beaker Exchange Network which is based on communication and ideology. The latter separates the �participants� from the others and strengthens the bond between them.
Control over wider areas can not be proved. However, traces of hierarchy in the enlarged families or clans and distant relationships are obvious.
Over the course of time there seems to be an adjustment of the society. Individuals with outstanding status or prestige seem less prominent then in earlier times. It is possible tat these individuals can be found somewhere else now. One possibility offers the society of the Early Bronze Age, which overlaps in time with the Bell Beaker Phenomenon. Nevertheless, the latter seems to have layed the foundations for the following epoch, which is one of the most magnificent in prehistory.
Beteiligte Einrichtungen
Details
| Dokumentenart | Hochschulschrift der Universität Regensburg (Dissertation) |
| Datum | 27 Juli 2009 |
| Begutachter (Erstgutachter) | Prof. Dr. Peter Schauer |
| Tag der Prüfung | 22 April 2009 |
| Institutionen | Philosophie, Kunst-, Geschichts- und Gesellschaftswissenschaften > Institut für Geschichte > Vor- und Frühgeschichte - Prof. Dr. Thomas Saile |
| Stichwörter / Keywords | Funde , Archäologie , Glockenbecherkultur , Sozialstruktur , , social structures , eastern group , Bell Beaker Phenomenon , archaeological findings |
| Dewey-Dezimal-Klassifikation | 900 Geschichte und Geografie > 930 Alte Geschichte, Archäologie |
| Status | Veröffentlicht |
| Begutachtet | Ja, diese Version wurde begutachtet |
| An der Universität Regensburg entstanden | Ja |
| URN der UB Regensburg | urn:nbn:de:bvb:355-opus-12922 |
| Dokumenten-ID | 12309 |
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