Zusammenfassung
Die aktuellen Verwerfungen auf den deutschen Immobilienmärkten sind in erster Linie durch die Zinswende und die steigenden Baukosten begründet: nach über zehn Jahren positiver Preisentwicklung sind Transaktions- und Finanzierungsvolumina seit dem zweiten Quartal 2022 rückläufig. Banken reagieren vorsichtig, die Beleihungsquoten bleiben trotz sinkender Preise niedrig, der Fokus verschiebt sich auf ...
Zusammenfassung
Die aktuellen Verwerfungen auf den deutschen Immobilienmärkten sind in erster Linie durch die Zinswende und die steigenden Baukosten begründet: nach über zehn Jahren positiver Preisentwicklung sind Transaktions- und Finanzierungsvolumina seit dem zweiten Quartal 2022 rückläufig. Banken reagieren vorsichtig, die Beleihungsquoten bleiben trotz sinkender Preise niedrig, der Fokus verschiebt sich auf vermietete Objekte in innerstädtischen Lagen. Ermutigend sind die bislang anhaltend niedrigen Ausfallquoten bei Immobiliendarlehen, v. a. im Vergleich zu der Zeit nach der Finanz- und Wirtschaftskrise 2007/2008. Dies gilt insbesondere für Wohnimmobilien, doch für Gewerbeimmobilien nur mit leichten Einschränkungen ebenfalls. Der Neubausektor ist jedoch massiv belastet, da viel Fremdkapital benötigt wird und sowohl von Banken ausgegebenes Fremdkapital als auch Mezzanine-Kapital nicht in ausreichendem Umfang und nicht zu darstellbaren Kosten zur Verfügung steht. Besserung ist kurzfristig nicht in Sicht. Es stellt sich angesichts dieses Marktumfeldes die Frage, ob jüngste Regulierungsmaßnahmen für eine weitere Verschärfung der Situation sorgen könnten. Zu nennen sind hierbei die Kapitalunterlegung von 150 % für Projektentwicklungen und die Einführung eines sektoralen Systemrisikopuffers für die Finanzierung von Wohnimmobilien in Höhe von 2 % ab dem 01. Februar 2023. Da der Immobilienmarkt seinen zyklischen Höhepunkt bereits überschritten hatte, werden diese Maßnahmen wohl nicht die primär beabsichtigte antizyklische, sondern eine prozyklische Wirkung entfalten.