| Lizenz: Veröffentlichungsvertrag für Publikationen ohne Print on Demand Dissertation Jessica Bizuga "Langzeitoutcome nach früher Revaskularisation versus alleiniger Antikoagulation bei akuter Beckenbeinvenenthrombose" (3MB) |
- URN zum Zitieren dieses Dokuments:
- urn:nbn:de:bvb:355-epub-768768
- DOI zum Zitieren dieses Dokuments:
- 10.5283/epub.76876
| Dokumentenart: | Hochschulschrift der Universität Regensburg (Dissertation) |
|---|---|
| Open Access Art: | Primärpublikation |
| Datum: | 16 Juni 2025 |
| Begutachter (Erstgutachter): | Prof. Dr.med. Birgit Linnemann und Prof. Dr.med. Karin Pfister |
| Tag der Prüfung: | 17 April 2025 |
| Institutionen: | Medizin > Abteilung für Gefäßchirurgie |
| Stichwörter / Keywords: | Thrombose, Beckenbeinvenen, Therapie, Langzeitoutcome |
| Dewey-Dezimal-Klassifikation: | 600 Technik, Medizin, angewandte Wissenschaften > 610 Medizin |
| Status: | Veröffentlicht |
| Begutachtet: | Ja, diese Version wurde begutachtet |
| An der Universität Regensburg entstanden: | Ja |
| Dokumenten-ID: | 76876 |
Zusammenfassung (Deutsch)
Es wird kontrovers diskutiert, ob zusätzlich durchgeführte Revaskularisationsverfahren in der Akutphase, Katheter-basiert oder offen operativ, einer alleinigen konservativen Therapie, bestehend aus Antikoagulation, früher Mobilisation und Kompressionstherapie, bei der Prävention von Folgeschäden wie postthrombotisches Syndrom (PTS) oder Rezidiven venöser Thromboembolien (VTE) nach tiefer ...

Zusammenfassung (Deutsch)
Es wird kontrovers diskutiert, ob zusätzlich durchgeführte Revaskularisationsverfahren in der Akutphase, Katheter-basiert oder offen operativ, einer alleinigen konservativen Therapie, bestehend aus Antikoagulation, früher Mobilisation und Kompressionstherapie, bei der Prävention von Folgeschäden wie postthrombotisches Syndrom (PTS) oder Rezidiven venöser Thromboembolien (VTE) nach tiefer Beckenbeinvenenthrombose überlegen sind.
Die ILIAKAL-VT-Studie stellt eine retrospektive Kohortenstudie dar, die über einen Beobachtungszeitraum von im Median 32 Monaten die Entwicklung von Langzeitfolgen untersuchte. Hierzu wurden Patienten mit Beckenbeinvenenthrombose, die alleinig eine Antikoagulation und Kompressionstherapie erhielten (n=102), mit Patienten, bei denen zusätzlich eine operative oder endovaskuläre Revaskularisationstherapie in der Akutphase der Thrombose erfolgte (n=49), verglichen.
Betrachtet man die Ätiologie der Thrombose ist hervorzuheben, dass das klassische May-Thurner-Syndrom, das oft als Legitimation für die Notwendigkeit einer invasiven Therapie angeführt wird, in unserer Analyse mit 7,3% nur selten vorlag. Vielmehr lag der Thrombose bei 70,2% der Patienten mit mindestens zwei klassischen Risikofaktoren eine multifaktorielle Genese zugrunde.
Persistierende Risikofaktoren, wie auch postthrombotische Residuen, können im Verlauf eine Rezidiv-VTE begünstigen. Rezidiv-VTE ereigneten sich in unserer Analyse bei 27,5% der Patienten des Gesamtkollektivs und signifikant häufiger bei invasiv therapierten Patienten als bei konservativ therapierten Patienten (50,0% vs. 16,9%; p=0,009).
Den einzigen unabhängigen Prädiktor für das Auftreten einer Rezidiv-VTE stellte eine primäre invasive Therapiestrategie dar (HR 4,5; 95%-KI 1,4-14,3). Darüber hinaus ereigneten sich die Rezidive bei Patienten des invasiven Studienarms insbesondere innerhalb der ersten 3 Monate nach Revaskularisation (28,6% vs. 2,2%; p=0,008) und dies sogar trotz bestehender therapeutischer Antikoagulation.
Neben der Komplikation der Rezidiv-Entwicklung kann es bei invasiv therapierten Patienten zu interventionsbezogenen Komplikationen kommen. Im Rahmen dieser Komplikationen war bei gut einem Drittel, bei 34,7% der invasiv therapierten Patienten, neben dem Ersteingriff zur Beseitigung bzw. Verminderung der Thrombuslast mindestens ein weiterer, ungeplanter Re-Eingriff zur Therapie von Komplikationen nötig.
In der ILIAKAL-VT-Studie lag bei knapp der Hälfte der nachverfolgten Patienten ein PTS vor (48,8%), meist in milder Ausprägung (34,1%) und seltener moderat (12,2%) oder schwer (2,4%) ausgeprägt. Im Rahmen eines schweren PTS konnte in unserer Analyse kein florides Ulcus cruris beobachtet werden, sondern lediglich selten abgeheilte Ulcera cruris (2,6%). In der ILIAKAL-VT-Studie fand sich in Bezug auf die PTS-Inzidenz kein signifikanter Vorteil einer invasiven Therapiestrategie gegenüber der konservativen Therapie (46,2% vs. 50,0%; p=0,819). Ein moderat bis schweres PTS wurde zusammengefasst sogar nummerisch häufiger im invasiven Arm beobachtet (23,1% vs. 10,7%; p=0,297).
Eine mangelnde Rekanalisation thrombotisch verlegter Venenabschnitte kann zur Entstehung eines PTS beitragen. In der ILIAKAL-VT-Studie zeigte sich, dass die Iliakal- und Femoralvenen bei invasiv therapierten Patienten signifikant häufiger vollständig rekanalisiert waren als bei konservativ therapierten Patienten (iliakal: 50,0% vs. 16,1%; p=0,018 und femoral: 64,3% vs. 22,6%; p=0,007).
Die Ergebnisse der venösen Funktionsdiagnostik und der Wadenumfangsmessung zeigten hingegen keine signifikanten Unterschiede zwischen invasiv und konservativ therapierten Patienten.
Auch die Lebensqualität unterschied sich nicht signifikant zwischen beiden Gruppen.
Insgesamt ergeben sich aus der ILIAKAL-VT-Studie trotz höherer venöser Offenheitsrate der iliofemoralen Venen im Langzeitverlauf keine Hinweise für eine bedeutsame Absenkung der Rate eines PTS oder eine Verbesserung der Lebensqualität durch eine primär invasive Therapiestrategie im Vergleich zur konservativen Behandlung mit alleiniger Antikoagulation. Hingegen traten Rezidiv-VTE signifikant häufiger im invasiven Therapiearm auf und insbesondere bereits in den ersten 3 Monaten, in denen die Patienten beider Gruppen noch unter therapeutischer Antikoagulation standen.
In Zusammenschau unserer Ergebnisse und der in der Literatur berichteten Studiendaten lässt sich nicht ableiten, dass eine primär invasive Therapiestrategie einer Beckenbeinvenenthrombose mit einem besseren Langzeitoutcome verbunden ist. Die derzeit dürftige Studienlage lässt es allerdings nicht zu, hier ein abschließendes Fazit zu ziehen, da für neuere Therapieverfahren wie venöse Thrombektomie-Devices oder spezielle Venenstents bislang keine randomisiert kontrollierten Studiendaten vorliegen. Randomisierte kontrollierte Studien zum Vergleich der neueren endovaskulären Therapieverfahren mit einer alleinigen konservativen Therapie sind also nötig, um eine abschließende Einschätzung zum ratsamen therapeutischen Vorgehen bei Beckenbeinvenenthrombosen zu treffen.
Übersetzung der Zusammenfassung (Englisch)
There is ongoing controversy over whether additional revascularization procedures during the acute phase—either catheter-based or open surgery—offer an advantage over conservative treatment alone, consisting of anticoagulation, early mobilization, and compression therapy, in preventing long-term complications such as post-thrombotic syndrome (PTS) or recurrent venous thromboembolism (VTE) ...

Übersetzung der Zusammenfassung (Englisch)
There is ongoing controversy over whether additional revascularization procedures during the acute phase—either catheter-based or open surgery—offer an advantage over conservative treatment alone, consisting of anticoagulation, early mobilization, and compression therapy, in preventing long-term complications such as post-thrombotic syndrome (PTS) or recurrent venous thromboembolism (VTE) following deep iliofemoral vein thrombosis.
The ILIAKAL-VT study is a retrospective cohort study that investigated the development of long-term complications over a median follow-up period of 32 months. It compared patients with iliofemoral vein thrombosis who received anticoagulation and compression therapy (n=102) alone with those who also underwent surgical or endovascular revascularization during the acute phase of thrombosis (n=49).
Regarding the etiology of thrombosis, it is noteworthy that classic May-Thurner syndrome—which is often cited as justification for invasive therapy—was diagnosed in only 7.3% of cases. Instead, 70.2% of patients had a multifactorial genesis of thrombosis with at least two classical risk factors.
Persistent risk factors and post-thrombotic residues increase the risk of recurrent VTE. In our analysis, recurrent VTE occurred in 27.5% of the total cohort and significantly more frequently in patients undergoing primary revascularization than in those treated conservatively (50.0% vs. 16.9%; p=0.009). The only independent predictor for recurrent VTE was a primary invasive treatment strategy (HR 4.5; 95% CI 1.4–14.3). Remarkably, VTE recurrences in the invasive treatment group occurred more frequently within the first three months after revascularization (28.6% vs. 2.2%; p=0.008), a period during which all patients received anticoagulant therapy.
Apart from developing recurrent VTE, invasively treated patients often developed complications that were attributable to the endovascular or surgical procedure. Approximately more than one-third (34.7%) of invasively treated patients required at least one additional unplanned invasive procedure to manage complications following the initial procedure.
In the ILIAKAL-VT study almost half of the patients followed up developed PTS (48.8%), mostly in mild form (34.1%) and less frequently moderate (12.2%) or severe (2.4%). No active venous leg ulcers were observed in cases of severe PTS, though healed ulcers were documented in 2.6% of patients. The incidence of PTS in the invasive treatment group was similar compared to conservative treatment (46.2% vs. 50.0%; p=0.819). However, moderate to severe PTS was numerically more frequent in the invasive group (23.1% vs. 10.7%; p=0.297).
Incomplete recanalization of thrombosed vein segments may contribute to the development of PTS. The ILIAKAL-VT study showed that the iliac and femoral veins were significantly more frequently completely recanalized in invasively treated patients compared to conservatively treated ones (iliac: 50.0% vs. 16.1%; p=0.018, and femoral: 64.3% vs. 22.6%; p=0.007).
However, venous functional diagnostics and calf circumference measurements revealed no significant differences between the two groups. Likewise, quality of life did not differ significantly between invasively and conservatively treated patients.
Overall, the ILIAKAL-VT study provides no evidence that a primarily invasive treatment strategy—despite higher long-term venous patency of the iliofemoral veins—leads to a meaningful reduction in the rate of PTS or improvement in quality of life compared to conservative treatment with anticoagulation alone. In contrast, recurrent VTE occurred significantly more often after revascularization in the acute phase of thrombosis, particularly within the first three months and even under therapeutic anticoagulation.
In accordance with current literature, the results of this study do not allow the conclusion that a primarily invasive treatment strategy for iliofemoral deep vein thrombosis leads to better long-term outcomes. However, the current body of evidence is insufficient for a definitive conclusion, as no randomized controlled trials exist for newer treatment modalities such as venous thrombectomy devices or dedicated venous stents. Randomized controlled trials comparing these newer endovascular treatments with conservative therapy are therefore needed to determine the most appropriate treatment strategy for iliofemoral vein thrombosis.
Metadaten zuletzt geändert: 30 Jun 2025 05:09
Downloadstatistik