Zusammenfassung
Mutationen des Gens von Myocilin sind verantwortlich für das autosomal-dominant vererbte, juvenile Offenwinkelglaukom sowie für einige Formen des primären Offenwinkelglaukoms (POWG) beim Erwachsenen. Myocilin ist ein sezerniertes Glykoprotein mit einem Molekulargewicht von 55–57 kDa, das Dimere und Multimere bilden kann. Strukturelle Motive sind eine myosinähnliche Domäne, eine ...
Zusammenfassung
Mutationen des Gens von Myocilin sind verantwortlich für das autosomal-dominant vererbte, juvenile Offenwinkelglaukom sowie für einige Formen des primären Offenwinkelglaukoms (POWG) beim Erwachsenen. Myocilin ist ein sezerniertes Glykoprotein mit einem Molekulargewicht von 55–57 kDa, das Dimere und Multimere bilden kann. Strukturelle Motive sind eine myosinähnliche Domäne, eine Olfaktomedin-Domäne sowie ein Leuzin-Zipper. Die meisten Mutationen, die bei Patienten mit einem POWG identifiziert wurden, sind in der Olfaktomedin-Domäne lokalisiert, einer zwischen verschiedenen Spezies hochkonservierten Region. Im Auge wird Myocilin in großen Mengen im Trabekelwerk, der Sklera, dem Ziliarkörper und der Iris gebildet, in deutlich geringerem Ausmaße in der Retina und dem Sehnervenkopf. Außerdem findet sich sezerniertes Myocilin im Kammerwasser. Im Kammerwinkel lässt sich Myocilin in enger Assoziation mit fibrillären Komponenten der extrazellulären Matrix des kribriformen Teils des Trabekelwerks nachweisen. Dabei bindet Myocilin spezifisch an die HepII-Domäne des Matrixproteins Fibronektin. In perfundierten Organkulturen von vorderen Augenabschnitten erhöht rekombinant hergestelltes Myocilin den Abflusswiderstand. In kultivierten Trabekelwerkszellen kann die Expression von Myocilin durch Dexamethason induziert werden, und zwar mit einem ähnlichen Zeitverlauf wie beim Auftreten einer steroidinduzierten okulären Hypertension bei Patienten. Weiterhin wird Myocilin durch Transforming Growth Factor-β und mechanischem Stress induziert. Mäuse mit einer gezielten Zerstörung des Myocilingens zeigen keinen pathologischen Phänotyp, was darauf hinweist, dass Glaukome mit einer Mutation im Myocilingen nicht durch einen Funktionsverlust von Myocilin hervorgerufen werden. Experimentelle Daten deuten hingegen darauf hin, dass mutiertes Myocilin nicht sezerniert wird und in den Zellen akkumuliert. Diese Akkumulation könnte die Funktion des Trabekelwerks beinträchtigen, den Abflusswiderstand negativ beeinflussen und dadurch ein Glaukom hervorrufen.