| Lizenz: Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 4.0 International (1MB) |
- URN zum Zitieren dieses Dokuments:
- urn:nbn:de:bvb:355-epub-773670
- DOI zum Zitieren dieses Dokuments:
- 10.5283/epub.77367
| Dokumentenart: | Hochschulschrift der Universität Regensburg (Dissertation) |
|---|---|
| Open Access Art: | Primärpublikation |
| Datum: | 22 Juli 2025 |
| Begutachter (Erstgutachter): | Prof. Dr. Michael Melter |
| Tag der Prüfung: | 20 Mai 2025 |
| Institutionen: | Medizin > Lehrstuhl für Kinder- und Jugendmedizin |
| Stichwörter / Keywords: | Urintestung, Vergleich, Säuglinge |
| Dewey-Dezimal-Klassifikation: | 600 Technik, Medizin, angewandte Wissenschaften > 610 Medizin |
| Status: | Veröffentlicht |
| Begutachtet: | Ja, diese Version wurde begutachtet |
| An der Universität Regensburg entstanden: | Ja |
| Dokumenten-ID: | 77367 |
Zusammenfassung (Deutsch)
Gilt die Urinprobe bei Kindern und Erwachsenen als eine leicht zu erhaltene und schmerzfreie Probe mit einem hohen Volumen für weiterführende Untersuchungen, so ist der Fall bei Säuglingen ohne Sphinkterkontrolle ein anderer. Da in diesem Kollektiv eine Mittelstrahlurinprobe nicht selbstständig abgegeben werden kann, ist das Gewinnen einer ausreichenden Menge einer nicht kontaminierten Urinprobe ...

Zusammenfassung (Deutsch)
Gilt die Urinprobe bei Kindern und Erwachsenen als eine leicht zu erhaltene und schmerzfreie Probe mit einem hohen Volumen für weiterführende Untersuchungen, so ist der Fall bei Säuglingen ohne Sphinkterkontrolle ein anderer. Da in diesem Kollektiv eine Mittelstrahlurinprobe nicht selbstständig abgegeben werden kann, ist das Gewinnen einer ausreichenden Menge einer nicht kontaminierten Urinprobe häufig eine Herausforderung. So muss eine Methode genutzt werden, die nicht von der Mitarbeit des Patienten abhängig ist. Dies ist mit einem hohen Zeitaufwand, mit wiederholten Versuchen und, im Falle von invasiven Testmethoden, auch mit Schmerzen und möglichen Komplikationen verbunden. Das Ziel dieser Studie war, verschiedene neue Techniken zur Uringewinnung mit dem aktuellen Goldstandard der nicht invasiven Methoden, dem Urinbeutel, hinsichtlich Erfolgsrate und erhaltenem Volumen zu vergleichen.
Zu testende Methoden waren ein in die Windel eingelegter Schwamm, ein Urinpad, eine in die Windel eingelegte Kompresse, ein direkt in der Windel ausgewerteter Nachweisstreifen sowie ein von Herreros und Mitarbeitende vorgestelltes lumbales und suprapubisches Stimulationsmanöver. Im Zeitraum zwischen dem 01.02.2017 und dem 10.03.2018 wurden insgesamt 50 Patienten beider Geschlechter rekrutiert und während des stationären Aufenthaltes möglichst allen sechs Methoden zur Uringewinnung unterzogen.
Bereits frühzeitig zeigten Schwamm und Kompresse eine so niedrige Erfolgsrate, dass die weitere Testung dieser beiden Methoden beendet wurde. In der Testreihe des Urinbeutels konnten bei einer Erfolgsrate von 57% und einer deutlich besseren Erfolgsrate bei männlichen Patienten die Zahlen der Literatur reproduziert werden. Vergleichbare Erfolgsraten zeigten Nachweisstreifen (66%) und Stimulationsmanöver (64%). Die höchste Erfolgsrate mit 82% wies das Urinpad auf. In der Kohorte für die weiterführenden statistischen Untersuchungen (n =23) waren die Unterschiede in den Erfolgsraten ähnlich. Hier schnitt weiterhin das Urinpad am besten mit 83% ab, Nachweisstreifen und Stimulationsmanöver waren mit 70% und 78% vergleichbar und die wenigsten erfolgreichen Versuche konnten mit dem Urinbeutel mit einer Erfolgsrate von 57% erreicht werden. Diese Ergebnisse waren statistisch nicht signifikant, sodass insgesamt keine Unterlegenheit der getesteten Methoden gegenüber dem Urinbeutel als Standard festgestellt werden konnte.
Als erfolgreich wurde eine Probenentnahme definiert, welche eine ausreichende Menge an Urin für weitere Untersuchungen produzierte. Da häufig jedoch ein größeres Volumen benötigt wird, um alle Testungen durchführen zu können oder auch Studienanforderungen zu genügen, untersuchten wir das erbrachte Volumen der verschiedenen Testmethoden. Dies schloss den Nachweisstreifen aus, da hier kein Volumen produziert wurde. Hier zeigte sich, dass in der Gesamtkohorte das Stimulationsmanöver im Durchschnitt knapp ein Drittel mehr als der Urinbeutel und die vierfache Menge des Urinpads an Volumen generierte. Dieser Unterschied war in der statistischen Berechnung zwischen Stimulationsmanöver und Urinpad signifikant.
Zusammenfassend konnten die in der Literatur beschriebenen Nachteile des Urinbeutels im Verlauf der Studie durch die vorgenannten Zahlen und auch durch die Durchführung im klinischen Alltag bestätigt werden. Häufig musste der Beutel mehr als einmal geklebt werden um eine Urinprobe zu erhalten und die Patienten zeigten deutliches Unbehagen beim Abziehen des Klebestreifens. Konnte durch den Urinbeutel jedoch eine Urinprobe gewonnen werden, so war das gewonnene Volumen im Vergleich hoch. Das Urinpad zeigte sehr hohe Erfolgsraten und war in der Anwendung leicht verständlich, jedoch produzierte es wenig Volumen an Urin und die Patienten mussten alle zehn Minuten erneut gewickelt werden, was im klinischen Alltag sehr aufwendig scheint und viel Personal bindet. Die weiteren analytischen Möglichkeiten sind aufgrund der geringen Probenmenge und der möglichen Kontamination zudem eingeschränkt.
Der Nachweisstreifen in der Windel vermied jeden Kontakt zum Patienten, war in seiner Aussagekraft jedoch sehr untersucherabhängig und es konnte kein Urin zu weiteren Untersuchungen verwendet werden. Das Stimulationsmanöver zeigte zufriedenstellende Erfolgsraten, produzierte die höchste Menge an Urin und war in der Durchführung sowohl durch das Studienteam als auch durch die Eltern gut akzeptiert. Es kam außerdem zu keinem Kontakt zu Fremdmaterial und die Eltern konnten gut miteinbezogen werden. Insgesamt sehen wir somit das Stimulationsmanöver als eine geeignete Alternative zur nicht invasiven Uringewinnung bei Säuglingen an.
Übersetzung der Zusammenfassung (Englisch)
While the urine sample in children and adults is considered an easy to obtain and painless sample with a high volume for further examinations, the case is different in infants without sphincter control. As a midstream urine sample cannot be obtained independently in this population, obtaining a sufficient volume of uncontaminated urine sample is often a challenge. A method must therefore be used ...

Übersetzung der Zusammenfassung (Englisch)
While the urine sample in children and adults is considered an easy to obtain and painless sample with a high volume for further examinations, the case is different in infants without sphincter control. As a midstream urine sample cannot be obtained independently in this population, obtaining a sufficient volume of uncontaminated urine sample is often a challenge. A method must therefore be used that is not dependent on the patient's cooperation. This is time-consuming, involves repeated attempts and, in the case of invasive testing methods, is also associated with pain and possible complications. The aim of this study was to compare various new techniques for urine collection with the current gold standard of non-invasive methods, the urine bag, in terms of success rate and volume obtained.
The methods to be tested were a sponge inserted into the diaper, a urine pad, a compress inserted into the diaper, a detection strip evaluated directly in the diaper and a lumbar and suprapubic stimulation maneuver presented by Herreros and staff. In the period between February 1, 2017 and March 10, 2018, a total of 50 patients of both sexes were recruited and subjected to all six methods of urine collection during their inpatient stay.
The sponge and compress showed such a low success rate early on that further testing of these two methods was discontinued. In the urine bag test series, the figures from the literature were reproduced with a success rate of 57% and a significantly better success rate in male patients. Detection strips (66%) and stimulation maneuvers (64%) showed comparable success rates. The urine pad had the highest success rate of 82%. In the cohort for the further statistical investigations (n =23), the differences in success rates were similar. Here, the urine pad continued to perform best with 83%, detection strips and stimulation maneuvers were comparable with 70% and 78% and the least successful attempts were achieved with the urine bag with a success rate of 57%
These results were not statistically significant, so that overall no inferiority of the tested methods compared to the urine bag as standard could be determined.
A successful sample collection was defined as one that produced a sufficient amount of urine for further testing. However, as a larger volume is often required to perform all tests or to meet study requirements, we investigated the volume produced by the different test methods. This excluded the detection strip, as no volume was produced here. This showed that in the overall cohort, the stimulation maneuver generated on average almost a third more volume than the urine bag and four times the volume of the urine pad. This difference was significant in the statistical calculation between the stimulation maneuver and the urine pad.
In summary, the disadvantages of the urine bag described in the literature were confirmed in the course of the study by the aforementioned figures and also by the implementation in everyday clinical practice. The bag often had to be taped more than once to obtain a urine sample and patients showed significant discomfort when removing the adhesive strip. However, if a urine sample could be obtained through the urine bag, the volume obtained was high in comparison. The urine pad showed very high success rates and was easy to use, but it produced a low volume of urine and patients had to be re-wrapped every ten minutes, which seems very time-consuming in everyday clinical practice and ties up a lot of staff. The further analytical possibilities are also limited due to the small sample volume and possible contamination.
The detection strip in the diaper avoided any contact with the patient, but its validity was very dependent on the examiner and no urine could be used for further examinations. The stimulation maneuver showed satisfactory success rates, produced the highest amount of urine and was well accepted by both the study team and the parents. In addition, there was no contact with foreign material and the parents could be well involved. Overall, we therefore consider the stimulation maneuver to be a suitable alternative to non-invasive urine collection in infants.
Metadaten zuletzt geändert: 22 Jul 2025 07:55
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