| Lizenz: Creative Commons Namensnennung 4.0 International PDF - Angenommene Version (1MB) |
- URN zum Zitieren dieses Dokuments:
- urn:nbn:de:bvb:355-epub-777434
- DOI zum Zitieren dieses Dokuments:
- 10.5283/epub.77743
| Dokumentenart: | Hochschulschrift der Universität Regensburg (Dissertation) |
|---|---|
| Open Access Art: | Primärpublikation |
| Seitenanzahl: | 79 |
| Datum: | 30 September 2025 |
| Begutachter (Erstgutachter): | PD Dr. Stephan Schmid |
| Tag der Prüfung: | 15 September 2025 |
| Institutionen: | Medizin > Lehrstuhl für Innere Medizin I |
| Stichwörter / Keywords: | Milzsteifigkeit / Spleen stiffness / Elastographie / elastography Intensivmedizin / intensive care medicine |
| Dewey-Dezimal-Klassifikation: | 600 Technik, Medizin, angewandte Wissenschaften > 610 Medizin |
| Status: | Veröffentlicht |
| Begutachtet: | Ja, diese Version wurde begutachtet |
| An der Universität Regensburg entstanden: | Ja |
| Dokumenten-ID: | 77743 |
Zusammenfassung (Deutsch)
Mit der ultraschallbasierten Elastographie lässt sich die Elastizität von (Organ-) Gewebe nicht-invasiv beurteilen. In der Hepatologie ist die Messung der Lebersteifigkeit (LS) ein etabliertes Verfahren, um Rückschlüsse auf den Fibrosegrad der Leber oder das Ausmaß einer portalen Hypertension zu ziehen. Mit zunehmender Fibrosierung wird die Leber steifer (26,132,133). Neben der LS steigt bei ...

Zusammenfassung (Deutsch)
Mit der ultraschallbasierten Elastographie lässt sich die Elastizität von (Organ-)
Gewebe nicht-invasiv beurteilen. In der Hepatologie ist die Messung der
Lebersteifigkeit (LS) ein etabliertes Verfahren, um Rückschlüsse auf den Fibrosegrad der Leber oder das Ausmaß einer portalen Hypertension zu ziehen. Mit zunehmender Fibrosierung wird die Leber steifer (26,132,133). Neben der LS steigt bei chronischer Lebererkrankung auch die Milzsteifigkeit (Spleen Stiffness, SS). Durch passiven Blutstau im portalvenösen System kommt es zur Erweiterung der Milzsinus und Gewebshyperplasie (66). So kann auch mittels der SS das Ausmaß einer portalen Hypertension abgeschätzt werden. Im klinischen Alltag kann dies unter anderem genutzt werden, um Risikopatienten für Ösophagusvarizen zu erkennen (43,46,132). Darüber hinaus konnten mehrere Studien zeigen, dass anhand der SS das Risiko einer hepatischen Dekompensation, sowie das Sterberisiko stratifiziert werden kann
(62,63,65). Diese Studien wurden hauptsächlich bei kompensierten Leberzirrhose-Patienten durchgeführt, wobei der mittel- bis langfristige Verlauf beobachtet wurde. Über die SS bei Patienten im akuten Leberversagen durch eine zirrhotische Dekompensation oder eine Sepsis existieren bislang noch keine Daten.
Die vorliegende Studie soll überprüfen, ob die Milzsteifigkeitsmessung mittels ARFI-Technologie bei Intensivpatienten durchführbar ist, sie valide Ergebnisse liefert und diese in den Kontext der bestehenden Literatur setzen. Zudem soll geprüft werden,welche Faktoren der intensivmedizinischen Behandlung die SS beeinflussen und ob aus ihr Aussagen bezüglich der Prognose getroffen werden können.
Dazu wurden 44 Patienten auf der gastroenterologischen Intensivstation 92 des Universitätsklinikums Regensburg prospektiv untersucht. 29 Patienten hatten eine chronische Lebererkrankung (davon 16 äthyltoxischer, 4 entzündlicher/viraler, 4 medikamentös-toxischer und 5 unbekannter Genese) und 15 Patienten eine Sepsis ohne zugrundeliegender chronischer Lebererkrankung. Die SS wurde alle 2 – 4 Tage mittels der Punkt-Scherwellen-Elastographie ARFI VirtualTouch™ Quantification eines Siemens Acuson S2000 Geräts erhoben. Die Messung erfolgte am Milzunterpol in Atemruhelage. Insgesamt wurden 145 Untersuchungen durchgeführt, welche sich auf 71 SS-Messungen in der Gruppe mit chronischer Lebererkrankung und 74 Messungen in der Sepsis Gruppe aufteilten. Zu jeder Messung wurden u.a. die zum Untersuchungszeitpunkt aktuellen Kreislaufparameter, die Beatmungsparameter, der Dialysestatus mit Nierenretentionsparametern, sowie Parameter des SOFA- und des MELD-Scores miterhoben. Um trotz der flexiblen Untersuchungszeitpunkte eine Vergleichbarkeit der Patienten, bzw. der Milzsteifigkeiten untereinander zu erzielen, wurden die Untersuchungen Messzeiträumen (MZR) zugeteilt. Untersuchungen, die an Tag 0 – 2 nach Aufnahme erfolgten, wurden zu MZR-1 gezählt. Die an Tag 3 – 5 nach Aufnahme durchgeführten Untersuchungen wurden zu MZR-2 gezählt, die an Tag 6 – 8 nach Aufnahme zu MZR-3. Für dynamische Parameter, die sich zu jeder Untersuchung unterscheiden können, wurden in der Berechnung alle Untersuchungen berücksichtigt. Da es sich so um Mehrfachmessungen bei gleichen Probanden handelte, wurden Korrelationen mittels Repeated Measures Correlation oder gemischt
Linearen Modellen errechnet. Für statische Parameter wurde nur die zum MZR-1 gemessene SS berücksichtigt.
Die vorliegende Studie untersuchte erstmalig die SS bei Intensivpatienten. Die SS -Messung erweist sich bei diesen Patienten als durchführbar. Die gemessenen Werte stehen in einer schlüssigen Relation zur Literatur, wenngleich die absoluten SS-Werte durch Einflüsse der intensivmedizinischen Therapie nicht direkt miteinander vergleichbar sind. Da sich kein signifikanter Unterschied der SS-Werte zwischen der Gruppe mit chronischer Lebererkrankung und der Gruppe mit Sepsis ohne zugrundeliegender Lebererkrankung zeigte, wurden diese für weitere Berechnungen zusammengeschlossen. So sollte die Analyseempfindlichkeit erhöht und eine klarere Sicht auf die Zusammenhänge zwischen der SS und klinischen Parametern erzielt werden.
Es zeigte sich ein im Vergleich zur Literatur gegensätzlicher Zusammenhang zwischen der SS und dem klinischen Zustand: Während bei kompensierten Leberzirrhose Patienten außerhalb der Intensivstation hohe SS-Werte mit Komplikationen und Tod assoziiert sind, ergibt unsere Studie eine negative Korrelation der SS mit dem SOFA- Score zum Untersuchungszeitpunkt (rrm= -0,22; p = 0,029). Niedrige SS-Werte gehen hier mit einem hohen SOFA-Score, also einem kritischen klinischen Zustand einher. Auch wenn sich hier nur eine leicht negative Korrelation zeigt, steht diese dennoch konträr zum bisherigen Kenntnisstand bei Patienten mit kompensierter Leberzirrhose. Als Gründe hierfür sehen wir die in dieser Studie erstmals beschriebenen Einflussfaktoren der intensivmedizinischen Behandlung auf die SS. Es konnte gezeigt werden, dass beatmete Patienten hochsignifikant geringere SS-Werte aufweisen
(mittlere SS 2,12 m/s vs. 2,84 m/s; p < 0,001). Dabei besteht u.a. eine Korrelation zwischen der SS und dem mittleren Beatmungsdruck (rrm = -0,28; p = 0,017). Auch dialysepflichtige Patienten hatten signifikant geringere SS-Werte (mittlere SS 2,11 m/s vs. 2,47 m/s; p < 0,001). Hierbei korrelierte der Kreatininwert (rrm = -0,23; p = 0,033) und der Harnstoffwert (rrm -0,28; p = 0,005) negativ mit der SS. Bezüglich des Outcomes konnte in dieser Studie kein Zusammenhang mit der SS gezeigt werden, obwohl durch die Korrelation dieser mit dem SOFA-Score ein Zusammenhang denkbar wäre. Als Outcome war die Verlegung auf Normalstation/ in eine Reha, sowie der Tod definiert.
Zusammenfassend kann durch diese Studie erstmals postuliert werden, dass auf der Intensivstation niedrige SS-Werte mit einem schlechten klinischen Zustand einhergehen. Ein besonderes Augenmerk liegt außerdem auf der negativen Korrelation zwischen der SS und dem mittleren Beatmungsdruck. Darin sehen wir einen potenziellen Nutzen der SS als Parameter zur Überwachung der splanchnischen Perfusion während invasiver Beatmung. Eine durch zu hohe Beatmungsdrücke verursachte gastrointestinale Minderperfusion kann bislang aufgrund fehlender einfach zu erhebender Bedside-Parameter nur spät erkannt werden. Komplikationen wie Motilitätsstörungen, Mukosaschäden, mesenteriale Ischämie oder eine Bakteriämie sind die Folge, was zu protrahierten Intensivaufenthalten führt (121,122). Die SS hängt maßgeblich vom Druck in der Pfortader, sowie von der arteriellen Versorgung der Milz ab (66,123). Es ist denkbar, dass die zusätzliche Messung der Organelastizität einen genaueren Rückschluss auf den Perfusionsdruck zulässt als eine reine Messung des Blutflusses. Aus diesen Gründen sollte die Milzsteifigkeit als
potenzieller Überwachungsparameter der mesenterialen Perfusion während der
invasiven Beatmung geprüft werden. Die vorliegende Pilotstudie liefert Hinweise für das Potenzial der Milzsteifigkeit als Parameter in der internistischen Intensivmedizin
Übersetzung der Zusammenfassung (Englisch)
Ultrasound-based elastography allows the elasticity of (organ) tissue to be assessed non-invasively. In hepatology, measuring liver stiffness (LS) is an established method for drawing conclusions about the degree of fibrosis in the liver or the extent of portal hypertension. With increasing fibrosis, the liver becomes stiffer (26,132,133). In addition to LS, spleen stiffness also increases in ...

Übersetzung der Zusammenfassung (Englisch)
Ultrasound-based elastography allows the elasticity of (organ) tissue to be assessed non-invasively.
In hepatology, measuring liver stiffness (LS) is an established method for drawing conclusions about the degree of fibrosis in the liver or the extent of portal hypertension.
With increasing fibrosis, the liver becomes stiffer (26,132,133). In addition to LS, spleen stiffness also increases in chronic liver disease (26,132,133). As fibrosis increases, the liver becomes stiffer (26,132,133). In addition to LS, spleen stiffness (SS) also increases in chronic liver disease. Passive blood stasis in the portal venous system leads to enlargement of the splenic sinuses and tissue hyperplasia (66). SS can therefore also be used to estimate the extent of portal hypertension. In everyday clinical practice, this can be used, among other things, to identify patients at risk for esophageal varices (43,46,132). In addition, several studies have shown that SS can be used to stratify the risk of hepatic decompensation and the risk of death
(62,63,65). These studies were mainly conducted in patients with compensated liver cirrhosis, observing the medium to long-term course. There is no data on SS in patients with acute liver failure due to cirrhotic decompensation or sepsis.
The present study aims to examine whether spleen stiffness measurement using ARFI technology is feasible in intensive care patients, whether it provides valid results, and to place these results in the context of the existing literature. In addition, it aims to examine which factors of intensive care treatment influence SS and whether it can be used to make statements regarding prognosis.
To this end, 44 patients in the gastroenterological intensive care unit 92 of the University Hospital Regensburg were prospectively examined. Twenty-nine patients had chronic liver disease (16 of which were ethyl-toxic, 4 inflammatory/viral, 4 drug-toxic, and 5 of unknown origin) and 15 patients had sepsis without underlying chronic liver disease. SS was measured every 2–4 days using point shear wave elastography ARFI VirtualTouch™ Quantification on a Siemens Acuson S2000 device. The measurement was taken at the splenic pole in a resting position. A total of 145 examinations were performed, comprising 71 SS measurements in the group with chronic liver disease and 74 measurements in the sepsis group. For each measurement, the current circulatory parameters at the time of the examination, the ventilation parameters, the dialysis status with renal retention parameters, and parameters of the SOFA and MELD scores were also recorded.
In order to achieve comparability between patients and spleen stiffness despite the flexible examination times, the examinations were assigned to measurement periods (MZR). Examinations performed on days 0–2 after admission were counted as MZR-1. Examinations performed on days 3–5 after admission were counted as MTR-2, and those performed on days 6–8 after admission were counted as MTR-3. For dynamic parameters, which can vary between examinations, all examinations were included in the calculation. Since these were multiple measurements on the same subjects, correlations were calculated using repeated measures correlation or mixed
linear models. For static parameters, only the SS measured at MTR-1 was taken into account.
This study was the first to examine SS in intensive care patients. SS measurement has proven to be feasible in these patients. The measured values are consistent with the literature, although the absolute SS values are not directly comparable due to the influence of intensive care therapy. Since there was no significant difference in SS values between the group with chronic liver disease and the group with sepsis without underlying liver disease, these were combined for further calculations. The aim was to increase the sensitivity of the analysis and obtain a clearer picture of the correlations between SS and clinical parameters. A correlation between SS and clinical condition was found that contradicted the literature: while high SS values are associated with complications and death in patients with compensated liver cirrhosis outside the intensive care unit, our study found a negative correlation between SS and the SOFA score at the time of examination (rrm= -0.22; p = 0.029). Low SS values are associated with a high SOFA score, i.e., a critical clinical condition. Even though the correlation is only slightly negative, it nevertheless contradicts the current state of knowledge in patients with compensated liver cirrhosis. We believe that the reasons for this are the factors influencing SS described for the first time in this study, which relate to intensive care treatment. It was shown that ventilated patients have significantly lower SS values
(mean SS 2.12 m/s vs. 2.84 m/s; p < 0.001). There is a correlation between SS and mean ventilation pressure (rrm = -0.28; p = 0.017). Patients requiring dialysis also had significantly lower SS values (mean SS 2.11 m/s vs. 2.47 m/s; p < 0.001). Creatinine levels (rrm = -0.23; p = 0.033) and urea levels (rrm -0.28; p = 0.005) correlated negatively with SS. With regard to the outcome, no correlation with SS could be demonstrated in this study, although a correlation would be conceivable due to the correlation between SS and the SOFA score. The outcome was defined as transfer to a normal ward/rehabilitation center or death.
In summary, this study allows us to postulate for the first time that low SS values in the intensive care unit are associated with poor clinical condition. Particular attention should also be paid to the negative correlation between SS and mean ventilation pressure. We see this as a potential benefit of SS as a parameter for monitoring splanchnic perfusion during invasive ventilation. Gastrointestinal hypoperfusion caused by excessive ventilation pressures can only be detected at a late stage due to the lack of easily collected bedside parameters. This results in complications such as motility disorders, mucosal damage, mesenteric ischemia, or bacteremia, leading to prolonged stays in intensive care (121,122). SS depends largely on the pressure in the portal vein and the arterial supply to the spleen (66,123). It is conceivable that the additional measurement of organ elasticity allows a more accurate conclusion about perfusion pressure than a pure measurement of blood flow. For these reasons, spleen stiffness should be investigated as a
potential parameter for monitoring mesenteric perfusion during
invasive ventilation. This pilot study provides evidence for the potential of spleen stiffness as a parameter in internal intensive care medicine.
Metadaten zuletzt geändert: 30 Sep 2025 07:38
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