Einfluss der „Frühgeriatrischen Komplexbehandlung“ auf den perioperativen Verlauf und die Mortalität alterstraumatologischer Patienten mit proximaler Femurfraktur
Bei der vorliegenden Arbeit handelt es sich um eine retrospektive nicht randomisierte Longitudinalstudie auf Basis von Patientendaten der Klinik für Unfallchirurgie des Caritas Krankenhauses St. Josef-Regensburg, die die Patientendaten vor und nach der Einführung des AltersTraumaZentrums DGU bzw. mit und ohne GFK-Programm analysiert. In diese Analyse wurden alle Patienten eingeschlossen, die von ...
Zusammenfassung (Deutsch)
Bei der vorliegenden Arbeit handelt es sich um eine retrospektive nicht randomisierte Longitudinalstudie auf Basis von Patientendaten der Klinik für Unfallchirurgie des Caritas Krankenhauses St. Josef-Regensburg, die die Patientendaten vor und nach der Einführung des AltersTraumaZentrums DGU bzw. mit und ohne GFK-Programm analysiert. In diese Analyse wurden alle Patienten eingeschlossen, die von Januar 2008 bis einschließlich Dezember 2017 in dieser Klinik mit einer proximalen Femurfraktur operativ versorgt wurden und 65 Jahre oder älter waren. Im Rahmen der Studie konnte gezeigt werden, dass:
- bereits vor der Etablierung eines ATZ die von der DGU geforderte frühzeitige operative Therapie proximaler Femurfrakturen umgesetzt und eingehalten wurde,
- nach Einführung des ATZ, vor allem bei Patienten innerhalb des GFK-Programms, vermehrt auf eine Osteoporosetherapie bei der Entlassung geachtet wurde,
- somit neben der adäquaten Akuttherapie geriatrischer Patienten mit proximaler Femurfraktur die Frakturprävention verstärkt umgesetzt wurde. Die aktuelle Studienlage zeigt deutlich, dass Patienten mit proximaler Femurfraktur von einer strukturierten orthogeriatrischen Mitbehandlung im Rahmen des GFK-Programms profitieren. Dabei werden insbesondere eine Reduktion postoperativer Komplikationen und ein geringeres Auftreten von Delirien beschrieben. Hinsichtlich der Mortalitätsrate sind die Ergebnisse jedoch uneinheitlich: Während einige Studien eine Reduktion zeigen, finden andere keinen signifikanten Einfluss. Die Ergebnisse dieser retrospektiven Analyse verdeutlichen die Notwendigkeit weiterführender, prospektiver Studien. Zukünftige Untersuchungen sollten auf einer standardisierten Erhebung relevanter Parameter zu 54 definierten Zeitpunkten basieren, um die Vergleichbarkeit zwischen Patienten vor und nach Einführung des ATZ sowie zwischen GFK-Patienten und Patienten, die nicht in das GFK-Programm eingebunden waren, zu verbessern. Zudem erscheint eine weitere Differenzierung der Patientenpopulation – beispielsweise nach Alter oder Komorbiditäten – sinnvoll, um differenziertere Aussagen treffen zu können. Das Ziel einer weiteren Studie wäre daher, eine standardisierte Evaluation der Versorgung in einem interdisziplinären Team bei Patienten mit proximaler Femurfraktur durchzuführen und das kurz-, mittel- und langfristige Outcome der Patienten zu untersuchen. Ein Vergleich zwischen mehreren Gruppen innerhalb des GFK-Programms wäre ebenfalls von Interesse. Ein direkter Vergleich mit Patienten außerhalb des GFK-Programms könnte hingegen zu verzerrten Ergebnissen führen, da Patienten aus zwei Hauptgründen nicht in das GFK-Programm aufgenommen werden: Entweder sind sie in einem so guten Allgemeinzustand, dass eine reguläre Anschlussheilbehandlung ausreicht oder sie sind so schwer beeinträchtigt, dass eine frührehabilitative Maßnahme nicht mehr möglich ist. Beide Gruppen könnten die Resultate in eine falsche Richtung beeinflussen und sollten daher differenziert betrachtet werden.
Übersetzung der Zusammenfassung (Englisch)
The present study is a retrospective, non-randomized longitudinal analysis based on patient data from the Department of Trauma Surgery at Caritas Hospital St. Josef, Regensburg. It evaluates patient outcomes before and after the establishment of Center for geriatric trauma (DGU), as well as outcomes with and without participation in the early comprehensive geriatric care (GFK program).
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Übersetzung der Zusammenfassung (Englisch)
The present study is a retrospective, non-randomized longitudinal analysis based on patient data from the Department of Trauma Surgery at Caritas Hospital St. Josef, Regensburg. It evaluates patient outcomes before and after the establishment of Center for geriatric trauma (DGU), as well as outcomes with and without participation in the early comprehensive geriatric care (GFK program).
All patients aged 65 years or older who underwent surgical treatment for a proximal femoral fracture at this institution between January 2008 and December 2017 were included in the analysis.
The study demonstrated that:
even prior to the establishment of the Center for geriatric trauma, the early operative management of proximal femoral fractures recommended by the DGU had already been implemented and consistently maintained;
following the introduction of the Center for geriatric trauma, particularly among patients enrolled in the GFK program, increased attention was paid to the initiation of osteoporosis therapy at discharge;
consequently, in addition to adequate acute treatment of geriatric patients with proximal femoral fractures, fracture prevention measures were implemented more consistently.
Current evidence clearly indicates that patients with proximal femoral fractures benefit from structured orthogeriatric co-management within the framework of the GFK program. In particular, reductions in postoperative complications and lower rates of delirium have been reported. However, findings regarding mortality remain inconsistent: while some studies demonstrate a reduction, others show no significant effect.
The results of this retrospective analysis highlight the need for further prospective studies. Future investigations should be based on standardized collection of relevant parameters at predefined time points to improve comparability between patients treated before and after the introduction of the Center for geriatric trauma, as well as between patients enrolled in the GFK program and those not participating in it.
In addition, further stratification of the patient population—for example by age or comorbidities—appears advisable in order to allow more differentiated conclusions.
The objective of a subsequent study should therefore be to conduct a standardized evaluation of interdisciplinary team-based care in patients with proximal femoral fractures and to assess short-, medium-, and long-term patient outcomes.
A comparison between multiple subgroups within the GFK program would also be of interest. In contrast, a direct comparison with patients not enrolled in the GFK program could lead to biased results, as patients are typically not included in the program for two main reasons: either they are in sufficiently good general condition to undergo standard post-acute rehabilitation or they are so severely impaired that early rehabilitative treatment is no longer feasible. Both groups may skew the results in different directions and should therefore be analyzed separately.