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Waitz, Susanne Martina

Qualitative und quantitative Video-Analyse von Kopfballspiel und Kopfverletzungen im deutschen Profifußball der Frauen

Waitz, Susanne Martina (2026) Qualitative und quantitative Video-Analyse von Kopfballspiel und Kopfverletzungen im deutschen Profifußball der Frauen. Dissertation, Universität Regensburg.

Veröffentlichungsdatum dieses Volltextes: 29 Jul 2026 07:05
Hochschulschrift der Universität Regensburg
DOI zum Zitieren dieses Dokuments: 10.5283/epub.80264


Zusammenfassung (Deutsch)

Kopfverletzungen im Fußball wurden in den letzten Jahren immer mehr Aufmerksamkeit zuteil. Potenziell schwere gesundheitliche Langzeitfolgen durch wiederholte Kopf-Traumata wurden kontrovers diskutiert. Auch das Kopfballspiel selbst wurde hinsichtlich struktureller Schädigungen auf das Gehirn, sowohl im Kinder- und Jugendbereich als auch im Erwachsenensport, am größeren Kollektiven untersucht. ...

Kopfverletzungen im Fußball wurden in den letzten Jahren immer mehr Aufmerksamkeit zuteil. Potenziell schwere gesundheitliche Langzeitfolgen durch wiederholte Kopf-Traumata wurden kontrovers diskutiert. Auch das Kopfballspiel selbst wurde hinsichtlich struktureller Schädigungen auf das Gehirn, sowohl im Kinder- und Jugendbereich als auch im Erwachsenensport, am größeren Kollektiven untersucht. Die Häufigkeit von Verletzungen im Kopf- und Hals Bereich ist im Fußball durch die hohe Körperkontaktkomponente nicht unbeträchtlich, und liegt an zweiter Stelle hinter den Läsionen der unteren Extremitäten. Bislang lag der Fokus der Untersuchungen hauptsächlich im Männerfußball. Mit der steigenden Popularität des Frauenfußballs galt es mit dieser Arbeit auch für den deutschen Profifußball der Damen erstmalig epidemiologischen Daten zu Kopfverletzungen und Kopfbällen zu gewinnen, anhand dessen eine erste Einschätzung des gesundheitlichen Risikos durch Kopfverletzungen für Frauen im professionellen Bereich möglich ist.
Daher erfolgte die deskriptive Analyse von Kopfbällen und kopfverletzungsträchtigen Situationen und deren Entstehungsmechanismen mittels Videoanalyse und der gleichzeitigen Verwendung bereits validierter und standardisierter Fragebögen. Um eine aussagekräftige Anzahl zu gewährleisten, wurden insgesamt 9300 Spielminuten aus 100 Spielen der 1. Frauen Bundesliga qualitativ analysiert. Kopfverletzungsträchtige Spielszenen wurden als „Critical Incidents“ definiert. Diese umfassten Situationen, die eine Kopfverletzung wahrscheinlich machen, und wurden in der sportmedizinischen Literatur bereits vordefiniert und verifiziert. Die am Lehrstuhl für Unfallchirurgie der Universität Regensburg selbst ausgearbeiteten Fragebögen, die für jeden einzelnen Kopfball und jede einzelne Kopfverletzung herangezogen wurden, enthalten diverse Items, um die Situation und dessen Entstehung und Ausgang exakt beschreiben zu können.
In den Saisons 2018/19, 2019/20 und 2020/21 wurden in 100 zufällig ausgewählten Spielen insgesamt 9020 Kopfbälle untersucht. Es zeigte sich ein Durschnitt von 90,2 Kopfbällen pro Spiel und 4,1 Kopfbällen pro Spielerin und Spiel. Die Position mit den meisten Kopfballbeteiligungen stellten mit ca. einem Drittel (33,2%) die des offensiven Mittelfelds dar. An zweiter Stelle folgt die Position der Innenverteidigerinnen mit 24,1%. Die Spielfeldzone mit den meisten Kopfballaktionen befand sich im defensiven zentralen Mittelfeldbereich, dahinter das offensive zentrale Mittelfeld, der Strafraum und die Außenbahnen. 64% aller Kopfbälle wurden während eines Zweikampfs durchgeführt. Hierbei überwiegte das Fairplay, lediglich 3,4% der Aktionen wurden als Foul gewertet.
In dieser Studie wurden aus den insgesamt 100 analysierten Partien 36 Kopfverletzungen anhand der Kriterien des Critical Incidents erfasst. Dies ergab eine Inzidenz von 0,36 Kopfverletzungen pro Spiel. Die Spielerposition mit den meisten Verletzungen war, deckend mit den meisten Kopfballaktionen, mit 42% die der offensiven Mittelfeldspielerin. 86 % ereigneten sich während eines Zweikampfs. Ursächlich für die Kopfverletzung war mit 44% die Kollision mit einer Gegenspielerin. Lediglich 27% der Aktionen wurden als Foul gewertet. Risikofaktoren für die Entstehung von Kopfverletzungen wurden anhand Odds Ratios berechnet. Foulspiele und verletzungsbedingte Spielunterbrechungen, Zweikampfsituationen, Abschussverletzungen und Szenen im Strafraum oder nach Eckbällen erwiesen sich als Umstände mit größter Effektstärke.
Mit diesen erstmalig erhoben epidemiologischen Daten zu Kopfbällen und Kopfverletzungen im professionellen Frauenfußball konnte ein realistisches Abbild des Spielbetriebs in Wettkampfsituationen gegeben werden. Die teils umstritten geführten Studien zu Langzeit- und Folgeschäden durch das Kopfballspiel selbst oder Kopfverletzungen im Fußball können anhand dieser Ergebnisse neu bewertet werden.

Übersetzung der Zusammenfassung (Englisch)

Purpose: Head injuries in soccer have attracted great attention over the past few years. Potential severe long-term damage to the brain due to repeated head trauma is still discussed controversially. In addition, there is an ongoing debate whether heading itself could cause structural damage to the brain of children, adolescents, and adult athletes. Due to the high amount of physical contact, ...

Purpose: Head injuries in soccer have attracted great attention over the past few years. Potential severe long-term damage to the brain due to repeated head trauma is still discussed controversially. In addition, there is an ongoing debate whether heading itself could cause structural damage to the brain of children, adolescents, and adult athletes. Due to the high amount of physical contact, head injuries in soccer are rather frequent – they are, in fact, the second most common injured area following lesions to the lower extremities. So far, research focused mainly on men´s soccer. With the increasing popularity of women’s soccer, the study’s aim was to acquire first-time epidemiological data about heading incidence and head injuries in German professional women´s soccer. Based on these results, a first assessment of the risk of head injuries for professional female soccer players can be given.
Methods: Descriptive analysis of heading and head injuries and their origin was performed by using video analysis and already standardized and validated questionnaires. Overall, 9300 minutes of play from 100 matches of the highest German professional female soccer league were analyzed qualitatively. Situations highly suspicious of head injury have already been described by the theory of “critical incidents”. These critical incident markers make a head injury highly likable and have already been predefined and verified in sports medicine research over the past. The questionnaires, formerly elaborated by the department of trauma surgery at the university of Regensburg, were used for every header and head injury and contain multiple items to assess and define the origin and outcome of each scene.
Results: In 100 randomly selected games of the seasons 2018/19, 2019/20 und 2020/21, 9020 headers were examined, which results in an average of 90,2 headers per game and 4,1 headers per player per game. The offensive midfielder was the position most often involved in headers (33,2%), followed by central defenders with 24,1%. The field zones where most headers were played comprise the central defensive midfield, followed by the offensive central midfield, the penalty area and the wings. 64% of the headers occurred during a tackle. Fair play was common, only 3,4% of the tackles were penalized as fouls.
Of the 100 analyzed matches, 36 head injury situations were identified as critical incidents, resulting in an incidence of 0,36 head injuries per game. The position most often injured was the offensive midfielder with 42%. This corresponds with the fact that the highest number of headers is found in offensive midfielders. 86% of head injuries occurred during tackles. The most frequent cause of injury was a collision with an opponent player (44%). Merely 27% of the injury situations were suspected of a foul by the referee. Risk factors for the development of a head injury were calculated using the odds ratio formula. Situations with the highest effect size were fouls, stoppage in the game due to injury, tackling, being hit with the ball and scenes in the penalty box or after corner kicks.
Conclusions: With these first-time ascertained epidemiological data of headers and head injuries in professional women´s soccer, a realistic image of the gaming operation in a competitive setting can be given. The controversy about the potential long-term health hazards of headers themselves or head injuries from soccer can be reevaluated with the help of the acquired results.


Beteiligte Einrichtungen


Details

DokumentenartHochschulschrift der Universität Regensburg (Dissertation)
Open Access Art:Primärpublikation
Datum29 Juli 2026
Begutachter (Erstgutachter)Prof. Dr. Werner Krutsch
Tag der Prüfung5 Juni 2026
InstitutionenMedizin > Lehrstuhl für Unfallchirurgie
Stichwörter / KeywordsKopfbälle, Kopfverletzungen, Fußball, Frauenfußball, Videoanalyse, Gehirnerschütterung, Verletzungsepidemiologie headers, head injuries, soccer, womens soccer, video analysis, concussion, injury epidemiology
Dewey-Dezimal-Klassifikation600 Technik, Medizin, angewandte Wissenschaften > 610 Medizin
StatusVeröffentlicht
BegutachtetJa, diese Version wurde begutachtet
An der Universität Regensburg entstandenJa
URN der UB Regensburgurn:nbn:de:bvb:355-epub-802644
Dokumenten-ID80264

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