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Lipp, Lisa Marie

Seroprävalenz von Helicobacter pylori in Ostbayern und Assoziation mit Alter, Geschlecht, Herkunft und extragastralen Begleiterkrankungen

Hochschulschrift der Universität Regensburg

Lipp, Lisa Marie (2026) Seroprävalenz von Helicobacter pylori in Ostbayern und Assoziation mit Alter, Geschlecht, Herkunft und extragastralen Begleiterkrankungen. Dissertation, Universität Regensburg.

DOI zum Zitieren dieses Dokuments: 10.5283/epub.80452


Zusammenfassung (Deutsch)

Helicobacter pylori (H. pylori) gehört weltweit zu den häufigsten bakteriellen Infektionen. Die chronische Besiedelung der Magenschleimhaut kann eine chronisch-aktive Gastritis und gastroduodenale Ulzera verursachen und stellt einen wesentlichen Risikofaktor für die Entstehung eines Magenkarzinoms und eines gastralen MALT-Lymphoms dar. Zudem werden mögliche Zusammenhänge mit extragastralen ...

Helicobacter pylori (H. pylori) gehört weltweit zu den häufigsten bakteriellen Infektionen. Die chronische Besiedelung der Magenschleimhaut kann eine chronisch-aktive Gastritis und gastroduodenale Ulzera verursachen und stellt einen wesentlichen Risikofaktor für die Entstehung eines Magenkarzinoms und eines gastralen MALT-Lymphoms dar. Zudem werden mögliche Zusammenhänge mit extragastralen Erkrankungen wie Leberzirrhose (LC), Diabetes mellitus Typ 2 (DM2), kardiovaskulären Erkrankungen (CVD) und arterieller Hypertonie (aHT) untersucht. Obwohl die H. pylori-Prävalenz in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten zurückgegangen ist, bestehen weiterhin regionale und herkunftsbezogene Unterschiede. Für Süddeutschland, insbesondere Ostbayern, liegen bislang nur begrenzte Daten vor.
Ziel der Studie war es, die Prävalenz einer akuten oder zurückliegenden H. pylori-Infektion in einer ostbayerischen Patientenkohorte zu bestimmen und Zusammenhänge mit Alter, Geschlecht und Geburtsland zu untersuchen. Zusätzlich wurden mögliche Assoziationen zwischen einer H. pylori-Infektion und den extragastralen Begleiterkrankungen LC, DM2, CVD und aHT untersucht.
Zwischen Februar 2019 und Mai 2020 wurden 314 stationäre und ambulante Patienten der Klinik für Innere Medizin I des Universitätsklinikums Regensburg eingeschlossen. Die Patienten wurden während des Studienzeitraums ohne Auswahl rekrutiert. Klinische und epidemiologische Daten wurden retrospektiv aus den elektronischen Patientenakten erhoben. Der Anti-H. pylori-IgA/IgG-Status wurde serologisch bestimmt. Zusätzlich wurden Alter, Geschlecht, Geburtsland, aktueller Wohnort sowie das Vorliegen von LC, DM2, CVD oder aHT erfasst.
Bei 78 von 314 Patienten konnte ein positiver Anti-H. pylori-IgA/IgG-Status nachgewiesen werden, entsprechend einer Seroprävalenz von 24,8 %. Damit lag die Prävalenz niedriger als in mehreren früheren deutschen Studien und bestätigt den rückläufigen Trend der H. pylori-Infektion in Deutschland, der insbesondere mit verbesserten hygienischen und sozioökonomischen Bedingungen in Verbindung gebracht wird.
Es zeigte sich kein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen Alter und H. pylori-Status. Die Seroprävalenz stieg jedoch bei Patienten im Alter von 30–40 Jahren gegenüber den unter 30-Jährigen an und zeigte bis zum Alter von 60 Jahren einen weiteren leichten Anstieg. Auch zwischen Geschlecht und H. pylori-Infektion bestand kein signifikanter Zusammenhang. Dagegen wurde ein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen Geburtsland und H. pylori-Status festgestellt (p = 0,021). Bei den in Deutschland geborenen Teilnehmern lag die Prävalenz bei 22,7 %, verglichen mit 33,3 % bei Patienten aus anderen europäischen Ländern und 63,3 % bei Patienten aus Asien. Die Ergebnisse unterstreichen damit die Bedeutung epidemiologischer Faktoren für das individuelle Infektionsrisiko.
Von den untersuchten extragastralen Begleiterkrankungen zeigte ausschließlich die Leberzirrhose einen statistisch signifikanten Zusammenhang mit einer H. pylori-Infektion. Von den 99 Patienten mit LC waren 36 H. pylori-seropositiv, entsprechend einer Prävalenz von 36,4 %, verglichen mit 19,5 % bei den 215 Patienten ohne LC (p = 0,002). Dieses Ergebnis steht im Einklang mit früheren Studien und Meta-Analysen, die eine erhöhte H. pylori-Prävalenz bei Patienten mit Leberzirrhose beschrieben. Aufgrund des gastroenterologischen und hepatologischen Schwerpunkts der Studienpopulation sollte dieser Zusammenhang jedoch vorsichtig interpretiert werden.
Für die übrigen extragastralen Erkrankungen wurden keine signifikanten Zusammenhänge festgestellt. Bei Patienten mit DM2 lag die H. pylori-Prävalenz bei 29,1 % gegenüber 23,4 % bei Patienten ohne DM2 (p = 0,310). Bei CVD betrug sie 23,9 % gegenüber 25,1 % (p = 0,838) und bei aHT 21,4 % gegenüber 26,5 % (p = 0,318).
Bei der Interpretation sind mehrere Limitationen zu berücksichtigen. Die Studienpopulation bestand ausschließlich aus Patienten eines Universitätsklinikums und kann daher nur eingeschränkt auf die Allgemeinbevölkerung übertragen werden. Zudem erlaubt der serologische Nachweis von Anti-H. pylori-IgA/IgG keine zuverlässige Unterscheidung zwischen einer aktiven und einer früheren oder eradizierten Infektion. Die Stichprobengröße von 314 Patienten begrenzt außerdem die statistische Aussagekraft, insbesondere in kleineren Untergruppen.
Zusammenfassend zeigte die untersuchte ostbayerische Patientenkohorte eine H. pylori-Seroprävalenz von 24,8 %. Während Alter und Geschlecht nicht signifikant mit dem H. pylori-Status assoziiert waren, wurde ein signifikanter Zusammenhang mit dem Geburtsland festgestellt. Von den untersuchten extragastralen Begleiterkrankungen war nur die Leberzirrhose signifikant mit einer erhöhten H. pylori-Prävalenz assoziiert. Die Ergebnisse bestätigen den rückläufigen Trend der H. pylori-Prävalenz in Deutschland und unterstreichen die weiterhin bestehende epidemiologische und klinische Relevanz der Infektion. Weitere Studien mit größeren Kohorten sind erforderlich, um herkunftsbezogene Faktoren und mögliche Zusammenhänge mit extragastralen Erkrankungen weiter zu untersuchen.

Übersetzung der Zusammenfassung (Englisch)

Helicobacter pylori (H. pylori) is one of the most common bacterial infections worldwide. Chronic colonization of the gastric mucosa can cause chronic active gastritis and gastroduodenal ulcers and is a major risk factor for gastric cancer and gastric MALT lymphoma. Potential associations with extragastric diseases, including liver cirrhosis (LC), type 2 diabetes mellitus (DM2), cardiovascular ...

Helicobacter pylori (H. pylori) is one of the most common bacterial infections worldwide. Chronic colonization of the gastric mucosa can cause chronic active gastritis and gastroduodenal ulcers and is a major risk factor for gastric cancer and gastric MALT lymphoma. Potential associations with extragastric diseases, including liver cirrhosis (LC), type 2 diabetes mellitus (DM2), cardiovascular diseases (CVD), and arterial hypertension (aHT), have also been increasingly investigated. Although H. pylori prevalence has declined in Germany over recent decades, regional and country-of-birth-related differences persist. Data from southern Germany, particularly eastern Bavaria, remain limited.
The aim of this study was to determine the prevalence of acute or previous H. pylori infection in a patient cohort from eastern Bavaria and to investigate associations with age, sex, and country of birth. In addition, potential associations between H. pylori infection and the extragastric comorbidities LC, DM2, CVD, and aHT were assessed.
Between February 2019, and May 2020, 314 inpatients and outpatients of the Department of Internal Medicine I at the University Hospital Regensburg were included. Patients were recruited without selection during the study period. Clinical and epidemiological data were retrospectively collected from the electronic patient records. Anti-H. pylori IgA/IgG status was determined by serological testing. Age, sex, country of birth, current place of residence, and the presence of LC, DM2, CVD, or aHT were recorded.
A positive anti-H. pylori IgA/IgG status was detected in 78 of 314 patients, corresponding to a seroprevalence of 24.8%. This prevalence was lower than that reported in several previous German studies and is consistent with the declining prevalence of H. pylori infection in Germany, which has been associated primarily with improved hygiene and socioeconomic conditions.
No statistically significant association was found between age and H. pylori status. However, seroprevalence increased among patients aged 30–40 years compared with those younger than 30 years and showed a further slight increase up to the age of 60 years. No significant association was observed between sex and H. pylori infection. In contrast, a statistically significant association between country of birth and H. pylori status was identified (p = 0.021). Among participants born in Germany, the prevalence was 22.7%, compared with 33.3% among patients born in other European countries and 63.3% among patients born in Asia. These findings highlight the importance of epidemiological factors for individual infection risk.
Among the extragastric comorbidities investigated, only liver cirrhosis showed a statistically significant association with H. pylori infection. Of the 99 patients with LC, 36 were H. pylori-seropositive, corresponding to a prevalence of 36.4%, compared with 19.5% among the 215 patients without LC (p = 0.002). This finding is consistent with previous studies and meta-analyses reporting an increased H. pylori prevalence in patients with liver cirrhosis. However, the association should be interpreted cautiously given the gastroenterological and hepatological focus of the study population.
No significant associations were found for the other extragastric diseases. In patients with DM2, H. pylori prevalence was 29.1% versus 23.4% in patients without DM2 (p = 0.310). For CVD, prevalence was 23.9% versus 25.1% (p = 0.838), and for aHT, 21.4% versus 26.5% (p = 0.318).
Several limitations should be considered. The study population consisted exclusively of patients treated at a university hospital and therefore cannot be directly generalized to the general population. Furthermore, serological detection of anti-H. pylori IgA/IgG does not reliably distinguish between active and previous or eradicated infection. The sample size of 314 patients also limits statistical power, particularly in smaller subgroups.
In conclusion, the investigated patient cohort from eastern Bavaria demonstrated a H. pylori seroprevalence of 24.8%. While age and sex were not significantly associated with H. pylori status, a significant association with country of birth was identified. Of the extragastric comorbidities investigated, only liver cirrhosis was significantly associated with increased H. pylori prevalence. The findings confirm the declining prevalence of H. pylori in Germany while highlighting the continued epidemiological and clinical relevance of the infection. Further studies with larger cohorts are warranted to investigate country-of-birth-related factors and potential associations with extragastric diseases.


Beteiligte Einrichtungen


Details

DokumentenartHochschulschrift der Universität Regensburg (Dissertation)
Open Access ArtPrimärpublikation
Datum5 August 2026
Veröffentlichungsdatum25 Aug 2026 06:37
Begutachter (Erstgutachter)Prof. Dr. Michaell Selgrad
Tag der Prüfung5 August 2026
InstitutionenMedizin > Lehrstuhl für Innere Medizin I
Stichwörter / KeywordsHelicobacter, Prävalenz, Ostbayern, Seroprävalenz, Leberzirrhose, Diabetes mellitus, koronare Herzkrankheit
Dewey-Dezimal-Klassifikation600 Technik, Medizin, angewandte Wissenschaften > 610 Medizin
StatusVeröffentlicht
BegutachtetJa, diese Version wurde begutachtet
An der Universität Regensburg entstandenJa
URN der UB Regensburgurn:nbn:de:bvb:355-epub-804520
Dokumenten-ID80452

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