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- URN zum Zitieren dieses Dokuments:
- urn:nbn:de:bvb:355-epub-780454
- DOI zum Zitieren dieses Dokuments:
- 10.5283/epub.78045
| Dokumentenart: | Hochschulschrift der Universität Regensburg (Dissertation) |
|---|---|
| Open Access Art: | Primärpublikation |
| Datum: | 7 November 2025 |
| Begutachter (Erstgutachter): | Prof. Dr. Martina Müller-Schilling und Prof. Dr. Christa Büchler |
| Tag der Prüfung: | 2 Oktober 2025 |
| Institutionen: | Medizin > Lehrstuhl für Innere Medizin I |
| Stichwörter / Keywords: | Beta-Thalassaemie, Endokrinopathien, Knochenstatus, kurative Therapie, Stammzelltransplantation/ Endocrinopathies, Bone Status, Beta-Thalassemia, stem cell transplantation, CRISPR/Cas9 |
| Dewey-Dezimal-Klassifikation: | 600 Technik, Medizin, angewandte Wissenschaften > 610 Medizin |
| Status: | Veröffentlicht |
| Begutachtet: | Ja, diese Version wurde begutachtet |
| An der Universität Regensburg entstanden: | Ja |
| Dokumenten-ID: | 78045 |
Zusammenfassung (Deutsch)
Ziel dieser Arbeit war die Analyse der endokrinen Funktion sowie des Wachstums- und Knochenstatus bei Patientinnen und Patienten mit Beta-Thalassaemia major der Kohorte der KUNO-Kinderklinik des Universitätsklinikums Regensburg nach kurativer Therapie mittels allogener Stammzelltransplantation oder CRISPR/Cas9-Gentherapie. Untersucht wurden Patientinnen und Patienten im Alter von 5 bis 25 Jahren ...

Zusammenfassung (Deutsch)
Ziel dieser Arbeit war die Analyse der endokrinen Funktion sowie des Wachstums- und Knochenstatus bei Patientinnen und Patienten mit Beta-Thalassaemia major der Kohorte der KUNO-Kinderklinik des Universitätsklinikums Regensburg nach kurativer Therapie mittels allogener Stammzelltransplantation oder CRISPR/Cas9-Gentherapie. Untersucht wurden Patientinnen und Patienten im Alter von 5 bis 25 Jahren über einen Zeitraum von 2015 bis Ende 2023. Analysiert wurden unter anderem die kortikotrope, thyreotrope und gonadotrope Achse sowie Parameter des Elektrolythaushalts, der Knochendichte (DXA), des Wachstums und des Vitamin-D- und Kalzium-Stoffwechsels.
Die vorliegende Studie zeigt, dass eine kurative Therapie (allogene Stammzelltransplantation oder CRISPR/Cas9-Gentherapie) bei Patientinnen und Patienten mit β-Thalassaemia major unterschiedliche Effekte auf den endokrinen Haushalt und den Stoffwechsel entfalten kann. Während einzelne Achsen eine funktionelle Erholung aufwiesen, blieben andere dauerhaft beeinträchtigt.
Besonders hervorzuheben ist die beobachtete Reversibilität der partiellen corticotropen Insuffizienz bei einer Patientin, was auf eine funktionelle Regenerationsfähigkeit der adrenocorticotropen Achse nach metabolischer Stabilisierung hindeuten könnte. Auch ein präinterventioneller Hypoparathyroidismus erwies sich postinterventionell als nicht persistent. Im Gegensatz dazu zeigte sich bei zwei Patientinnen und Patienten eine fortbestehende gonadotrope Insuffizienz, welche durch eine Hormonsubstitution behandelt werden musste und somit die Vulnerabilität der Gonadenfunktion gegenüber eisenbedingter oder chemotherapieinduzierter Schädigung unterstreicht. Zudem entwickelte ein Patient nach der kurativen Therapie eine Autoimmunthyreopathie vom Typ Hashimoto, was die Notwendigkeit einer endokrinologischen Langzeitüberwachung insbesondere im Hinblick auf Autoimmunphänomene nach Stammzell-Transplantation unterstreicht.
Die Analyse der somatotropen Achse ergab bei einem relevanten Teil der Kohorte eine signifikante Verbesserung von IGF-1-Werten und Körpergröße, wobei vor allem ältere Patientinnen und Patienten mit pubertärem Wachstumspotenzial profitierten. Der BMI blieb insgesamt stabil.
Hinsichtlich der Knochengesundheit zeigte sich eine stabile Knochendichte trotz bekannter Risikofaktoren wie einer periinterventionellen Glukokortikoidexposition. Die DXA-Z-Werte blieben unterhalb des Normbereichs, was angesichts des jungen Alters und des noch ausstehenden „peak bone accrual“ altersphysiologisch erklärbar ist. Die beobachtete Stabilität kann als positives Signal gewertet werden, möglicherweise unterstützt durch verbesserte Kalziumspiegel und Vitamin-D-Zufuhr.
Der Glukosestoffwechsel zeigte sich bei zwei Patientinnen und Patienten mit Thalassaemie-assoziiertem Typ-3c-Diabetes weiterhin beeinträchtigt. Trotz antihyperglykämischer Therapie mit Metformin und GLP-1-Rezeptoragonisten kam es zu keiner Abnahme des Insulinbedarfs. Dies stimmt mit der Literatur überein, welche auf die fortbestehende Pankreasdysfunktion durch persistierende Eisenablagerung hinweist.
Insgesamt bestätigt die Analyse die Multisystemnatur der β-Thalassaemie und hebt die Notwendigkeit einer langfristigen, interdisziplinären Betreuung hervor – insbesondere zur Überwachung und Therapie endokriner Folgeerkrankungen, des Wachstums, der Knochendichte und des Glukosestoffwechsels.
Die vorliegenden Ergebnisse verdeutlichen, dass kurative Therapieansätze wie die allogene Stammzelltransplantation und die CRISPR/Cas9-basierte Gentherapie das Potenzial haben, endokrine Dysfunktionen bei Patientinnen und Patienten mit β-Thalassämia major zu stabilisieren oder sogar rückgängig zu machen. Gleichzeitig bleiben bestimmte Organsysteme – insbesondere die gonadotrope Achse und der Glukosestoffwechsel – vulnerabel gegenüber irreversiblen Schädigungen. Dies unterstreicht die Bedeutung einer strukturierten endokrinologischen Nachsorge auch nach erfolgreicher kurativer Therapie. Künftige Studien sollten größere Kohorten über längere Zeiträume hinweg einschließen, um prognostische Marker für die endokrine Erholung zu identifizieren und individuelle Therapiestrategien weiter zu optimieren.
Diese Studie liefert wichtige Erkenntnisse zur endokrinen Regenerationsfähigkeit nach kurativen Therapieansätzen bei β-Thalassämia major und zeigt auf, welche hormonellen Achsen besonders anfällig für persistierende Funktionsstörungen bleiben. Die differenzierte Analyse endokriner Folgeerscheinungen nach Stammzelltransplantation und Gentherapie legt die Grundlage für personalisierte Nachsorgekonzepte und zielgerichtete Interventionen. Die beobachtete partielle Reversibilität einzelner Achsen eröffnet neue Perspektiven für eine frühzeitige diagnostische Stratifizierung und therapeutische Steuerung. Translational betrachtet betonen die Ergebnisse die Notwendigkeit, endokrinologische Parameter systematisch in zukünftige Studien zur Bewertung kurativer Therapien zu integrieren – sowohl als Surrogatmarker für Therapieerfolg als auch zur Identifikation möglicher Interventionsfenster.
Übersetzung der Zusammenfassung (Englisch)
Objective: The aim of this study was to analyze the endocrine function as well as growth and bone status in patients with beta-thalassemia major from the KUNO Children’s Hospital cohort at the University Hospital Regensburg after curative therapy with either allogeneic stem cell transplantation or CRISPR/Cas9 gene therapy. The study included patients aged 5 to 25 years, observed between 2015 and ...

Übersetzung der Zusammenfassung (Englisch)
Objective:
The aim of this study was to analyze the endocrine function as well as growth and bone status in patients with beta-thalassemia major from the KUNO Children’s Hospital cohort at the University Hospital Regensburg after curative therapy with either allogeneic stem cell transplantation or CRISPR/Cas9 gene therapy. The study included patients aged 5 to 25 years, observed between 2015 and the end of 2023. The evaluation encompassed the corticotropic, thyreotropic, and gonadotropic axes, as well as parameters of electrolyte balance, bone mineral density (DXA), growth, and vitamin D and calcium metabolism.
Results:
This study demonstrates that curative treatment (allogeneic stem cell transplantation or CRISPR/Cas9 gene therapy) in patients with β-thalassemia major can have diverse effects on endocrine regulation and metabolism. While some hormonal axes showed functional recovery, others remained persistently impaired.
Of particular note was the reversibility of partial corticotropic insufficiency in one patient, suggesting a potential for functional recovery of the adrenocorticotropic axis following metabolic stabilization. Similarly, a pre-interventional hypoparathyroidism proved to be non-persistent post-intervention. In contrast, two patients continued to exhibit gonadotropic insufficiency requiring hormone replacement therapy, highlighting the vulnerability of gonadal function to iron overload or chemotherapy-induced damage. Furthermore, one patient developed autoimmune thyroiditis of the Hashimoto type following curative therapy, emphasizing the need for long-term endocrine follow-up, especially regarding autoimmune phenomena after stem cell transplantation.
Analysis of the somatotropic axis revealed a significant improvement in IGF-1 levels and height in a substantial portion of the cohort, particularly in older patients with residual pubertal growth potential. Overall, BMI remained stable.
Concidering the bone health, bone mineral density remained stable despite known risk factors such as peri-interventional glucocorticoid exposure. DXA Z-scores remained below the normal range, which can be explained by the young age of the cohort and the yet-to-be-achieved “peak bone accrual.” The observed stability may be considered a positive indicator, possibly supported by improved calcium levels and vitamin D supplementation.
Glucose metabolism remained impaired in two patients with thalassemia-associated type 3c diabetes. Despite antihyperglycemic treatment with metformin and GLP-1 receptor agonists, no reduction in insulin requirements was observed. This finding is consistent with existing literature, which attributes persistent pancreatic dysfunction to ongoing iron deposition.
Conclusions:
Overall, the analysis confirms the multisystemic nature of β-thalassemia and underscores the necessity of long-term, interdisciplinary follow-up—particularly for monitoring and managing endocrine complications, growth, bone density, and glucose metabolism.
The findings indicate that curative therapeutic approaches such as allogeneic stem cell transplantation and CRISPR/Cas9-based gene therapy have the potential to stabilize or even reverse endocrine dysfunction in patients with β-thalassemia major. Nevertheless, certain organ systems—most notably the gonadotropic axis and glucose metabolism—remain vulnerable to irreversible damage. This underlines the importance of structured endocrine follow-up even after successful curative therapy.
Future studies should include larger cohorts and extended follow-up periods to identify prognostic markers for endocrine recovery and to further refine individualized therapeutic strategies.
This study provides important insights into the regenerative capacity of the endocrine system following curative treatments for β-thalassemia major, identifying which hormonal axes remain particularly prone to persistent dysfunction. The differentiated analysis of endocrine sequelae after stem cell transplantation and gene therapy establishes a foundation for personalized follow-up concepts and targeted interventions. The observed partial reversibility of specific hormonal axes opens new perspectives for early diagnostic stratification and therapeutic management. From a translational standpoint, these findings emphasize the importance of systematically integrating endocrine parameters into future studies evaluating curative therapies—both as surrogate markers of therapeutic success and as tools for identifying potential windows of intervention.
Metadaten zuletzt geändert: 07 Nov 2025 07:48
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