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- URN zum Zitieren dieses Dokuments:
- urn:nbn:de:bvb:355-epub-776310
- DOI zum Zitieren dieses Dokuments:
- 10.5283/epub.77631
Zusammenfassung (Deutsch)
Die barocke Kirchenorgel ist in der Regel das größte und kostspieligste Ausstattungsstück eines sakralen Raums, das sämtliche Gattungen der bildenden Kunst in sich vereinen kann. Dennoch ist ihre wissenschaftliche Betrachtung bisher weitgehend unter instrumentenkundlichen und musikwissenschaftlichen Aspekten erfolgt. Vorliegende Dissertation hat das Ziel, anhand der beiden von Franz Jacob Späth ...

Zusammenfassung (Deutsch)
Die barocke Kirchenorgel ist in der Regel das größte und kostspieligste Ausstattungsstück eines sakralen Raums, das sämtliche Gattungen der bildenden Kunst in sich vereinen kann. Dennoch ist ihre wissenschaftliche Betrachtung bisher weitgehend unter instrumentenkundlichen und musikwissenschaftlichen Aspekten erfolgt. Vorliegende Dissertation hat das Ziel, anhand der beiden von Franz Jacob Späth (1714-1786) gebauten Orgeln in der St. Oswaldkirche und Dreieinigkeitskirche Regensburg, die bisherigen Arbeiten auf diesem Gebiet durch die Auseinandersetzung mit der symbolischen Bedeutung und dem ikonographischen Inhalt des Instruments zu ergänzen und dadurch die Orgel stärker in den Fokus kunsthistorischer Forschung zu rücken. Außerdem sollten die beiden behandelten musik- und kunstgeschichtlich wertvollen Instrumente ausführlich dokumentiert werden.
Zunächst werden die allgemeingültigen symbolischen Bedeutungsebenen der Orgel referiert, die sich z.B. aus dem etymologischen Ursprung ihres Namens, ihrer Entstehungsgeschichte und ihrer technischen Besonderheiten ergeben. Ein Abriss über die süddeutsche Kirchenmusik des Barocks zeigt die Aufgaben und Funktionen der Orgel als Musikinstrument des christlichen Gottesdienstes auf. Da die beiden Werke für protestantische Kirchen gebaut wurden, wird schwerpunktmäßig das lutherische Musikverständnis dargelegt.
Darauf aufbauend werden die beiden Späthorgeln detailliert untersucht. Dies beinhaltet einen Überblick über die barocke Regensburger Orgellandschaft, die damalige Entwurfspraxis, die Biographien der am Bau beteiligten Personen, eine Beschreibung der Kirchenräume, für die die Orgeln geschaffen wurden, die Entstehungsgeschichte der Werke einschließlich bekannter Vorgängerinstrumente, nachträgliche Um- bzw. bei der Dreieinigkeitskirchenorgel auch Neubaumaßnahmen am Spielwerk sowie eine genaue Beschreibung der Gehäuse. Schwerpunkt ist die ikonographische und ikonologische Entschlüsselung des theologischen und künstlerischen Programms der Gehäuse und ihres Zierrats im Kontext zum Sakralraum. Die hier gewonnenen interpretatorischen Erkenntnisse konnten durch zeitgenössische literarische und bildliche Quellen belegt werden.
Franz Jacob Späth zählte zu den renommiertesten Instrumentenbauern seiner Zeit. Hauptsächlich im Klavierbau tätig sind aus seiner Hand nur die zwei behandelten Orgelwerke bekannt. Bei der 1750 entstandenen Orgel in der St. Oswaldkirche Regensburg handelt es sich um die einzige auch noch im Spielwerk erhaltene barocke Kirchendenkmalorgel der ehemaligen freien Reichsstadt. Von dem Instrument in der Dreieinigkeitskirche aus dem Jahr 1758 konnten lediglich das wertvolle, denkmalgeschützte Gehäuse und große Teile des Zierrats die Zeit überdauern. Das zu seiner Erbauung größte Werk Regensburgs verzichtet in seiner künstlerischen Ausgestaltung fast vollständig auf figürlichen Schmuck und nimmt auch so eine Sonderstellung ein.
Im Rahmen dieser Arbeit wird gezeigt, dass beide Orgeln über ein komplexes theologisches Bildprogramm verfügen. Das selbstbewusste Verständnis der protestantischen Kirchenmusik, das diese der Wortverkündigung gleichstellt, wurde eindrucks- und qualitätsvoll sichtbar gemacht. Besonderer Wert wurde auf die harmonische inhaltliche und architektonische Einfügung in den Kirchenraum gelegt. Die Orgel diente durch ihre Musik der Wortverkündigung, der Vermittlung von Glaubensinhalten und ermöglichte der christlichen Gemeinde eine Teilhabe an der Liturgie der Kirche. Diese immateriellen Inhalte wurden durch ihre künstlerische Gestaltung nicht nur hör- sondern auch sichtbar gemacht, wodurch die Orgeln den Rang eines vierten Prinzipalstücks des christlichen Kirchenraums erhielten.
Übersetzung der Zusammenfassung (Englisch)
The Baroque church organ is usually the largest and most expensive piece of equipment in a sacred space, combining all genres of the visual arts. Nevertheless, its scientific examination has so far been largely limited to aspects of instrumentology and musicology. The aim of this dissertation is to supplement previous work in this field by examining the symbolic meaning and iconographic content ...

Übersetzung der Zusammenfassung (Englisch)
The Baroque church organ is usually the largest and most expensive piece of equipment in a sacred space, combining all genres of the visual arts. Nevertheless, its scientific examination has so far been largely limited to aspects of instrumentology and musicology. The aim of this dissertation is to supplement previous work in this field by examining the symbolic meaning and iconographic content of the two organs built by Franz Jacob Späth (1714-1786) in St. Oswald's Church and Trinity Church (Dreieinigkeitskirche) in Regensburg, thereby bringing the organ more into the focus of the research of history of arts. In addition, the two instruments, which are valuable in terms of the history of music and art, are to be documented in detail.
First, the generally accepted symbolic meanings of the organ are discussed, which arise, for example, from the etymological origin of its name, its history, and its technical features. An overview of South German church music of the Baroque period highlights the tasks and functions of the organ as a musical instrument in Christian worship. Since both organs were built for Protestant churches, the focus is on the Lutheran understanding of music.
Building on this, the two Späth organs are analysed in detail. This includes an overview of the Baroque organ landscape in Regensburg, the design practice of the time, the biographies of the people involved in the construction, a description of the church spaces for which the organs were created, the history of the creation of works including known previous instruments, subsequent modifications and, in the case of the Trinity Church organ, new construction work on the play mechanism as well as a precise description of the organ cases. The focus is on the iconographic and iconological decoding of the theological and artistic programme of the organ cases and their ornamentation in relation to the sacred space. The interpretative insights gained here were substantiated by contemporary literary and pictorial sources.
Franz Jacob Späth was one of the most renowned instrument makers of his time, mainly building pianos. Only the two organ works discussed here are known to have been built by him. The organ in St. Oswald's Church in Regensburg, built in 1750, is the only Baroque church monument organ in the former free imperial city still preserved in its play mechanism. Of the instrument in the Trinity Church dating from 1758 only the valuable, listed organ case and large parts of the ornamentation have survived. At the time of its construction, the largest organ in Regensburg is almost completely devoid of figurative ornamentation, thus occupying a special position.
This dissertation shows that both organs have a complex theological pictorial programme. The self-confident understanding of Protestant church music, which equates it with the proclamation of the word, was visualised in an impressive and high-quality manner. Particular emphasis was placed on the harmonious integration of content and architecture into the church interior. Through its music, the organ served to proclaim the word, to convey the content of faith and to enable the Christian congregation to participate in the liturgy of the church. These immaterial contents were not only made audible but also visible through their artistic design, giving the organs the status of a fourth principal piece of the Christian church interior.
Metadaten zuletzt geändert: 07 Okt 2025 10:58
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